Category: Unser Trinkwasser in Gefahr?


„Die Grundwassergefährdung im Trinkwasserschutzgebiet des Eichwalder Wasserwerks?“ (Teil 4)

April 15th, 2010 — 7:40am


3. Kapitel: Das Gefahrenpotential  durch den Brand bzw. durch die Brände auf dem Gelände des ehemaligen Schmöckwitzer  Reifenwerkes 

Nach dem verheerenden Reifenwerkbrand in Schmöckwitz im Jahr 2005, es war wohl der größte Feuerwehreinsatz in Berlin seit dem 2. Weltkrieg, sind im erheblichen Ausmaß Schadstoffe und Gifte über den Luft- und Wasserpfad freigesetzt worden.

Diese Aussage wird durch öffentliche und offizielle Dokumente des Senats von Berlin bestätigt. So ist hierzu die Antwort 3 in der Kleine Anfrage Drucksache 15 / 13 001 der 15. Wahlperiode des Abgeordneten Volker Thiel (FDP) vom 22. November 2005 zum Thema „Großbrand im Reifenlager Schmöckwitz“ ausgesprochen aufschlussreich: „Nach Aussage des Senats von Berlin wurde bei Untersuchungen bereits eine Verlagerung des kontaminierten Grundwassers auf die Brunnengalerie des Wasserwerkes Eichwalde festgestellt. Verunreinigt wurde das Grundwasser infolge der Bekämpfung des Reifenwerkbrandes ……lokal  durch BTEX,  PAK, MKW und anionische Tenside, die stark bzw. sehr stark krebserzeugend sind“  Hier noch einmal die Antwort auf Frage 3 im vollen Wortlaut:

 Frage 3: Welche Erkenntnisse liegen über die Verseuchung des Bodens und der benachbarten Grundstücke sowie über die Belastung des Langen Sees als Folge des Brandes vor?

Antwort zu 3: Das Bezirksamt Treptow-Köpenick teilt hierzu mit, dass es infolge des Reifenbrandes zu einer Verunreinigung des Bodens unterhalb der Brandflächedurch Zink, Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) und Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in einer Mächtigkeit von durchschnittlich 30 cm sowie zur lokalen Verunreinigung des Grundwassers durch BTEX, PAK, MKW und anionische Tenside kam. Das Grundwasser steht im Brandbereich sehr hoch bei ca. 3,80 m uGOK an. Die Fläche des ehemaligen Reifenwerkes liegt im Absenktrichter des Wasserwerkes Eichwalde, in der Wasserschutzzone III A im unmittelbaren Randbereich zur Wasserschutzzone II. Mit den durchgeführten Untersuchungen wurde bereits eine Verlagerung des kontaminierten Grundwassers auf die Brunnengalerie des Wasserwerkes Eichwalde festgestellt.

Im Bereich der in der Rauchfahne liegenden Grundstücke hat der Niederschlag der Rauchgase zu oberflächigen Verunreinigungen von Gebäuden/Terrassen/Freiflä- chen u.a. geführt. Genaue Angaben über betroffene Grundstücke und Gebiete liegen dazu aber nicht vor. Den Fachbereich Umweltschutz des Bezirksamtes Treptow-Köpenick erreichten diesbezüglich sehr wenige Anrufe. Der Lange See wurde nur in der Phase des Brandes nach Ausbruch des Feuers in der Nacht vom 30.04. – 01.05.2005 bis in den frühen Vormittag des 01.5.2005durch Löschwasser belastet. Hintergrund sind die vorhandenen Anlagen zur Regenentwässerung des Gesamtgrundstückes, die in den Langen See münden. Ab 01.05.2005 am Vormittag wurde das Löschwasser durch das THW mittels Umpumpen in die Schmutzwasserkanalisation geleitet. Es wurde aber gleichzeitig eine Ölsperre im Einmündungsbereich des Langen Sees gelegt, so dass sich die flächenmäßige Belastung auf den Ölsperrenbereich beschränkte. Im Rahmen des Routineüberwachungsprogramms im Langen See wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.“ 

In den Jahren 2008 und 2009 stand das Reifenwerk mit den entsprechenden stark gesundheitsschädlichen Umweltbelastungen erneut in Flammen. Wieder ging man von Brandstiftung auf dem ungesicherten Gelände aus. Wenn das so ist, muss man davon ausgehen, dass das Reifenwerk demnächst bald wieder brennt.

Lesen Sie morgen oder übermorgen den letzten Teil zu dieser brisanten Reihe!  



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„Die Grundwassergefährdung im Trinkwasserschutzgebiet des Eichwalder Wasserwerks?“ (Teil 3)

April 14th, 2010 — 7:46am


2. Kapitel

Gefahrenpotential Deponie Zeuthen/Eichwalde und Schulzendorf

 

In einer umweltgeologischen Gefährdungsanalyse für die Deponien Schulzendorf und Eichwalde/Zeuthen vom 22.02.1991, welches im Auftrag des Landratsamt Königs Wusterhausen erstellt wurde, ergibt sich, dass „die durch die Deponien Schulzendorf und Zeuthen kontaminierten Grundwässer …mit dem zum Wasserwerk Eichwalde gerichteten Grundwasserstrom“ abfließen (Seite 12). Die Berechnungen ergaben, dass die Kontaminanten unterschiedlich schnell zum Wasserwerk Eichwalde gelangen:

„Von der Deponie Schulzendorf: in 50 bis 60 Jahren

Von der Deponie Zeuthen : in 10 bis 20 Jahren.

Danach kann die Kontamination der Deponie Zeuthen das Wasserwerk bereits erreicht haben, während dies für die Deponie Schulzendorf unwahrscheinlich ist“ (Seite  15).

Das Gutachten stammt wie gesagt aus dem Jahr 1990! 

Für die Deponie Zeuthen wird dabei ein „Verbot von Grundwassernutzungen (Einzelversorgungen) für Trinkwasserzwecke im kontaminierten Abstrombereich“ vorgeschlagen (S. 17).

„Die Laborergebnisse der chemischen Analytik weisen für die Schutzgüter Grundwasser und Boden ein von der Deponie ausgehendes Gefährdungspotential nach. Nach der Bewertung herangezogener Unterlagen („Brandenburgische Liste“), „Holland Liste“, TVO) ist eine deutliche Belastung des Grundwassers mit Ammonium, Eisen, Mangan, Kalium und Bor zu verzeichnen…..

Weiterhin kann eine insgesamt erhöhte Belastung des Grundwassers mit Mineralölkohlenwasserstoffen festgestellt werden, die aber nicht als deponiespezifisch zu bezeichnen ist, da sie sowohl im An- wie im Abstrombereich der Deponie nachgewiesen wurde…….

„Der Nachweis von deponiespezifischen insbesondere im Grundwasser, untergeordnet auch im Boden, unterstreicht aber die Tatsache, dass die Deponie Eichwalde grundsätzlich ein relevantes Gefährdungspotential darstellt“ (S. 38) (Hervorhebung von F.W.).

 

Lesen Sie morgen auf meinem Blog in Teil 3 weiter, wenn es um die dramatischen Folgen der Reifenwerkbrände geht. Über eine Diskussion zu den verschiedenen Teilen dieses äußerst brisanten Themas würde ich mich sehr freuen! 

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„Die Grundwassergefährdung im Trinkwasserschutzgebiet des Eichwalder Wasserwerks?“ (Teil 2)

April 13th, 2010 — 9:23am


1. Kapitel: Das Gefahrenpotential durch die Dioxinverseuchung des Selchower Flutgrabens und des Zeuthener Sees als Trinkwassergewinnungsreservoir (Uferfiltrat) durch den Flughafen Schönefeld bzw. durch das Klärwerk Diepensee


Ganz  maßgeblich kann das Grundwasser im Einzugsbereich des Eichwalder Wasserwerks durch den Flughafen Schönefeld bzw. durch das damalige Klärwerk Diepensee belastet worden sein. Offensichtlich ist auch das Wasser der Dahme über den Selchower Flutgraben mit Dioxin vom Klärwerk Diepensee belastet worden. In einem Bericht des Landesumweltamts Brandenburg „Über die Untersuchung von Sedimenten und Oberflächenwasser im „Selchower Flutgraben“ vom 17.06.2002 wird in der Zusammenfassung folgendes festgestellt:

„Die Ergebnisse zeigen ungewöhnlich hohe Dioxin/Furan-Konzentrationen in den Sedimenten des Flutgrabens und insbesondere des Regenwasserrückhaltebeckens. Offensichtlich haben sich die seitens der Kläranlage eingeleiteten Dioxin/Furanverbindungen mit den feindispersen Trübstoffen im Flutgraben und vor allem im Rückhaltebecken ausgesetzt und werden je nach Durchströmung langfristig mit dem Wasser in Richtung Zeuthener See verfrachtet“ (Hervorhebung F.W.).

Es ist davon auszugehen, dass über den Selchower Flutgraben der Zeuthener See belastet wurde oder wird. Zwar konnte bei Routineuntersuchungen im Zeuthener See nichts nachgewiesen werden, aber fraglich ist dabei, ob das Routineuntersuchungen überhaupt können. Hinzu kommt, dass durch das Absinken des Grundwassers bereits schon jetzt bis zu 30 % des Wassers in Spitzenzeiten gewonnen werden. „In absehbarer Zeit werden es 50 % sein“ (MAZ vom 03.03.2008). Je höher also das Oberflächenwasser mit Schadstoffen belastet ist, desto größer ihr Anteil im Uferfiltrat.

Das Problem belegt und bestätigt auch die Untersuchung  „Altlasten. Chlorierte Kohlenwasserstoffe, Dioxine/Furane am Flughafen Schönefeld“ seitens des BVBB, wonach bereits bei Grundwasserproben am 02.04.2002 unterhalb der Kläranlage Diepensee Chlorierte Kohlenwasserstoffe (AOX) in Höhe von 60 Mikrogramm je Liter im Grundwasser nachgewiesen wurden (Seite 15).

Und weiter auf Seite 18: „Die Frage nach dem Dioxin im Grundwasser konnte von Amts wegen lange Zeit nicht beantwortet werden, da die Probenahme und die Untersuchung des Grundwassers am Kläranlagenpegel unter fragwürdigen Bedingungen stattfand. Im Abstrom des Dioxintümpels wurden niemals Anstrengungen zur Prüfung der Belastung des Grundwassers vorgenommen.“

Da der Selchower Fluggraben das Trinkwasserschutzgebiet Eichwalde tangiert ist das Gefährdungspotential sehr hoch, da AOX bereits in 2 Brunnen nachgewiesen wurden (Seite 53).

Und abschließend auf Seite 55: „Die ehemalige Kläranlage Zeuthen ist geschlossen. Von mehreren Pegeln (bis zu Dreifachpegeln in Tiefen bis zu 27 m) werden uns mit Hartnäckigkeit Daten vorenthalten. Schon im Anstrom der Deponie Zeuthen  (nördlich des Dreifachpegels und östlich der Eisenbahn) werden chlorierte Kohlenwasserstoffe „unbekannter Herkunft“ im Grundwasser gefunden. Diese bedrohen das Wasserwerk Eichwalde. In zwei Brunnen des Wasserwerks wurden bereits chlorierte Kohlenwasserstoffe nachgewiesen.“

 

Aber das ist nicht die alleinige Gefährdung des Grundwassers im Einzugsgebiet des Wasserwerks Eichwalde. Lesen Sie morgen in Teil 3 weiter!

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Die Grundwassergefährdung im Trinkwasserschutzgebiet des Eichwalder Wasserwerks? (Teil 1)

April 12th, 2010 — 9:59am


Liebe Leserinnen und liebe Leser!

 

Bisher war mein Blog vorrangig auf den BBI oder auf mein Buch fokussiert. Das soll auch so bleiben, aber zugleich spielen immer mehr Themen in unserem Alltag eine Rolle, die auch durch den bisherigen Flughafen Schönefeld (Alt) verursacht wurden. Wie z.B. die Grundwasserbelastung durch den Dioxinskandal, der nicht ausgeblendet werden soll und aus aktuellem Anlass hier wieder in Erinnerung gerufen wird. Die Belastung des Grundwasssers (und damit möglicherweise des Trinkwassers) kann jedoch auch nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss immer in einem möglichst breiten Zusammenhang gesehen werden. Daher widmet sich mein Blog in dieser Woche dem Problem der Grundwasserbelastung in 5 Teilen unter dem Titel

„Die Grundwassergefährdung im Trinkwasserschutzgebiet des Eichwalder Wasserwerks?“

 Das geschieht aus aktuellem Anlass, weil es in der letzten Zeit z.B. in Eichwalde, Rauchfangswerder eine sehr auffällige Häufung von Krebs- und Autoimmunerkrankungen gibt. Hierbei ist nach Aussage einer praktizierenden Ärztin in dieser Region auch ein untypisch hoher Anteil bei Kindern feststellbar. Aus verschiedenen Gründen verdichten sich Verdachtsmomente, dass das auch durch die Belastung des Trinkwassers aus dem Wasserwerk Eichwalde verursacht sein könnte. Wenn das der Fall sein sollte, wäre der gesamte Versorgungsbereich des Wasserwerks Eichwalde mit 14 Ortschaften und 20.000 Haushalten davon betroffen.

Außerdem, oder damit verbunden, wurde auf dem ersten Eichwalder Stammtisch am 25.03.2010 von besorgten Bürgern die bedrohlichen Situation des ehemaligen „Schmöckwitzer Reifenwerks, das inzwischen einer Mülldeponie gleicht und das Trinkwasser zu gefährden droht“, angesprochen (MAZ vom 27.03.2010).

Nun ist das Eichwalder Trinkwasser gemessen an der Trinkwasserverordnung ohnehin nicht das „beste“ Wasser, weshalb eine weitere Belastung des Grundwassers im Einzugsgebiet des Wasserwerks dramatisch sein könnte. Aber nicht nur durch das ehemalige Reifenwerk (siehe hierzu Kapitel 3 und 4) könnte das Wasser belastet sein, sondern auch durch die ehemaligen Deponien Schulzendorf und Zeuthen/Eichwalde (siehe hierzu Kapitel 2). In diesem BBI-Blog zu meinem Buch spielt natürlich die vom Flughafen Schönefeld verursachte Dioxinbelastungen des Wassers und Grundwassers natürlich eine wichtige Rolle (siehe hierzu Kapitel 1).  Aus Platzgründen konnte ich das gesamte Dioxinthema in meinem Buch nicht berücksichtigen. Hier hat der BVBB Anfang 2000 eine aufklärende Pionierarbeit geleistet, an die nun hier, wenn auch nur kurz, angeknüpft wird.

Nach Auswertung mehrerer Gutachten in den benannten Teilen bestätigen sich sogar in mehrfacher Hinsicht die Indizien, dass das Grundwasser im Einzugsgebiet des Eichwalder Wasserwerks und damit evt. das Trinkwasser in dieser Region belastet ist. Ohne die oben angesprochenen Erkrankungsfälle hätte ich mich diesem Thema nicht in diesem breiten Spektrum gewidmet. Diese Aspekte in den Kapiteln sollen auch dazu dienen, eine öffentliche Diskussion zu diesem brisanten Thema zu initiieren.  Denn bereits 1990 veröffentlichten die Berliner Wasserbetriebe z.B. auf einer öffentlichen Schautafel am Wasserwerk Friedrichshagen, dass das Grundwasser des Eichwalder Wasserwerks als „potentiell gefährdet“ eingestuft wird. Das war vor 20 Jahren und wie sich im Folgenden zeigen wird, lassen sich diese Befürchtungen kaum zerstreuen. Ganz im Gegenteil!

Lesen Sie dazu in den nächsten Tagen auf meinem Blog weiter!

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