Es ist wahr und man weiß nicht recht, ob man darüber lachen oder bestürzt sein soll. Aber es ist ernst gemeint, wenn Flughafenchef Schwarz z.B. in der Morgenpost vom 03.01.2010 erzählt, dass der BBI ohne Betriebszuschüsse arbeiten kann! Er sieht bei der Realisierung des BBI hierbei 3 Herausforderungen. Die Dritte sei eben, dass der BBI wirtschaftlich arbeite, also ohne Betriebszuschüsse auskommen wird. Schwarz: „Die Erlöse aus den Flughafengebühren und dem Non-Aviation-Geschäft müssen die Betriebskosten und die Bedienung der Kredite übersteigen.“
Das klingt theoretisch plausibel, aber wie will er das in der Praxis umsetzen?
„Um die Kosten für die Airlines möglichst niedrig zu halten, müsse der Flughafen mehr Geld durch steigende Non-Aviation-Einnahmen einnehmen. „Deshalb bauen wir nach der zentralen Sicherheitskontrolle den zentralen Marktplatz für alle Passagiere“, so der Flughafenchef. So solle in Schönefeld jeder zweite Euro „mit Schlipsen und Schokolade“ verdient werden. Auf diese Weise könnten die Airlines auf der Kostenseite durch Mehreinnahmen im Non-Aviation-Bereich entlastet werden.“
Jeder zweite Euro mit Schlipsen und Schokolade!? Da muss offensichtlich ein bahnbrechendes Marketingkonzept dahinter stehen, welches plötzlich die Kaufkraft der Billigfliegerpassagiere vervielfacht. Allerdings könnten die Airlines auf der Kostenseite auch nicht entlastet werden, wenn dieses Konzept nicht aufgehen sollte. Denn dann würden die Flughafengebühren in den Himmel schießen. Der Konsument würde sich auf den Schlips getreten fühlen und lieber seine Schokolade zu Hause verzehren.
Also kommen wir zu den Tatsachen am Tatort „BBI“:
Im Jahr 2009 hatte die FBS einen schrumpfenden Umsatz von 244 Mio. Euro, davon aus Aviationeinnahmen 164 Mio. Euro. Angenommen dieser ebenfalls schrumpfende Aviationumsatz pegelt sich im ersten Jahr des BBI-Betriebes auf 170 Mio. Euro ein, dann müssten die gegenwärtigen Non-Aviationeinnahmen von gegenwärtig 41 auf 170 Mio. Euro steigen, um diese Marke von Schwarz anzupeilen, da nach dessen Logik jeder 2. Euro dort verdient werden soll. Dieser utopisch klingende Umsatzsprung wäre dann von insgesamt 244 bis 340 Mio. Euro hoch. Das hat die FBS noch nie erreicht.
Allerdings werfen diese 340 Mio. Euro dann auch keinen Gewinn ab: und zwar auf lange Sicht nicht. Denn, um mit Schwarz weiter zu sprechen, muss ja der BBI, der ohne Betriebszuschüsse arbeiten soll, auch noch einen Schuldendienst von „mindestens 100 Mio. Euro“ bedienen.
„Um die Kredite ab Eröffnung des BBI bedienen zu können, wird der Flughafen pro Jahr aber weiterhin mindestens 100 Millionen Euro an eigenen Mitteln für die BBI-Finanzierung aufbringen müssen“ (Morgenpost vom 07.04.2010).
Mindestens! Nach der bisher immer praktizierten Salamitaktik der FBS dürften diese „mindestens 100 Mio. Euro“, dann in Wirklichkeit, wie in meinem Buch beschrieben, ca. 200 Mio. Euro Schuldentilgung pro Jahr sein. Noch schlimmer: das Geld kommt dann wahrscheinlich ja gar nicht von der FBS, sondern es werden wohl wieder fleißig Darlehen von den Gesellschaftern der FBS ausgereicht.
Ziehen wir als Mittelwert zwischen 100 und 200 nur 150 Mio. von den 370 Mio. Euro ab, die für den Schuldendienst aufzubringen wären, dann hätte der BBI einen Umsatz von 220 Mio. Euro, mit dem ein derartiger Großflughafen absolut nicht zu bewirtschaften ist. Im Prinzip werden dadurch dann nur noch unter 10 Euro pro Passagier erwirtschaftet, falls wieder die Marke von ca. 22 Mio. Passagieren im Jahr 2012 erreicht wird.
Diese idealen Annahmen werden aber keinesfalls vor der bedrohlichen Kulisse von Finanz-, Wirtschafts- und Klimakrise gegeben sein, die ja Schwarz und seine FBS in keinem Szenario berücksichtigt, bzw. die einfach ausgeblendet werden.
Sehen wir es realistisch: Der Billigfliegergroßflughafen „Willy Brandt“ ist eben nicht durch „Schlipse und Schokolade“ zu retten. Und wenn der Beton in Betrieb genommen wurde, wird sich daran auch nicht viel ändern. Bestenfalls, und sehr FBS-freundlich gerechnet, wird sich der Umsatz bei höchstens 300 Mio. Euro einpegeln abzüglich von mindestens 150 Mio. Euro Schuldendienst (eher aber ca. 200 Mio. Euro). Das Resultat ist dann bilanziell verheerend, wenn dann lediglich 6,8 Euro pro Passagier umgesetzt werden. Selbst mit dem doppelten Umsatz pro Passagier war die FBS bzw. BBF und trotz fast jährlicher Betriebszuschüsse im 2- oder gar 3stelligen Millionenbereich kontinuierlich in den roten Zahlen. Weil selbst ohne Schuldendienst bei dem schwachen Umsatz mit der auf dem Großflughafen dominierenden Billigfliegerei Verluste eingeflogen werden, werden sich auf dem BBI mit seinem über 10jährigen Schuldendienst die Verluste bilanziell und jährlich zwischen 200 bis 300 Mio. Euro auftürmen. Wenn nicht noch höher…..
Und wenn die Wunschliste von Schwarz nicht in Erfüllung geht, sei noch einmal daran erinnert, dass noch nie die wirtschaftlichen Wünsche der dilettierenden FBS bzw. BBF und Politik in Erfüllung gegangen waren.
Denn vor 13 Jahren sollten die BBF-Erlöse ebenfalls die Schulden tilgen. Aber leider wurde daraus nichts, da die BBF nicht privatisierbar war und sie deshalb keine Erlöse zur Schuldentilgung abwarf. Stattdessen wurde die BBF mit Hilfe des Steuerzahlers entschuldet.
Hier der gekürzte Artikel von Ewald B. Schulte in der Berliner Zeitung vom 09.08.2007:
„Großflughafen: BBF-Erlös soll Schulden tilgen
Empfindliche Einbußen in Tegel und Schönefeld
Der Aufsichtsrat der Berlin Brandenburg Flughafen-Holding (BBF) will heute die Weichen für den Verkauf von “zunächst” 74,9 Prozent der BBF-Anteile stellen. Doch aus der Privatisierung der Betreiber-Holding der drei Berliner Flughäfen dürfte keine müde Mark in die Landeskasse fließen. Laut Aufsichtsratsvorlage sollen mit den Einnahmen BBF-Kredite abgelöst werden. Die Flughafen-Holding schiebt einen Schuldenberg von derzeit 742,119 Millionen Mark vor sich her. Allein für Zinsen sind in diesem Jahr 41,378 Millionen Mark fällig. Weil der Verkaufserlös kaum reichen dürfte, haben sich die bisherigen BBF-Eigner Berlin, Brandenburg und der Bund auf eine gemeinsame Rest-Entschuldung verständigt. Diese Zusatzkosten für die öffentliche Hand lassen sich jedoch erst dann beziffern, wenn die Privatisierungsangebote vorliegen.
Die BBF-Anteile sollen zusammen mit dem Großflughafen-Projekt BBI am 10. September ausgeschrieben werden. Investoren, die sich an dem bis zum 31. Mai 1998 laufenden dreistufigen Bieterverfahren beteiligen wollen, müssen Erfahrungen bei Bau, Planung, Finanzierung und Betrieb von Flughäfen oder ähnlich großen Infrastrukturprojekten nachweisen. Auch müssen sie ihre Finanzkraft dokumentieren sowie die Bereitschaft, Risikokapital für die Holding und den Großflughafenbau zur Verfügung zu stellen. Der Investor, dem ein über 50 Jahre laufender Konzessionsvertrag zur Abwicklung des Hauptstadt-Luftverkehrs winkt, soll außerdem das mit Spekulationsschulden belastete Baufeld Ost “wertsteigernd” in die Planungen einbeziehen. Die öffentliche Hand bleibt dennoch in der Haftung: Sie verpflichtet sich, die Kosten für eine “angemessene” Verkehrsanbindung des BBI sowie für einen Teil der Grunderwerbsrisiken zu übernehmen. Außerdem trägt sie die Verantwortung für sämtliche Planungs- und Genehmigungrisiken.
Das Verkehrsaufkommen der Flughäfen Tegel und Schönefeld blieb 1997 weit hinter den Erwartungen zurück. In Schönefeld wurde bis Juli ein Verlust von 19,2 Millionen Mark erwirtschaftet, in Tegel liegt das Ergebnis “als deutlich dauerhafter Trend” um sechs Prozent unter den
Für das Geschäftsjahr 1996 muß die Holding voraussichtlich einen Verlust von 41,5 Millionen Mark ausweisen.“
Ebenfalls scheiterte das zweite Privatisierungsverfahren und ein weiteres wird es für das marode Staatsunternehmen „FBS“ nicht geben, weil der Wert der FBS gleich null bzw. n
egativ ist. Keiner will einen Großflughafen, der Schulden tilgen muss und gleichzeitig Verluste einfliegt. Das ist die Wahrheit über den BBI, die uns die Politik und die Medien kollektiv verschweigen. Wäre es nicht so, wäre die FBS bzw. damals die BBF schon lange hälftig oder gar mehrheitlich in privater Hand.
Herr Schwarz wird natürlich wie seine Vorgänger weiter fleißig Zahlen schreiben, aber nicht solche, die seinem Namen alle Ehre machen würden. Also keine Schwarzmalerei, sondern es ist die fatale Praxis in Vergangenheit und Zukunft eines mit Steuergeld subventionierten Staatsunternehmens, das sonst nicht überleben würde.
Ein Beispiel für die diesbezüglich völlig kritiklose „Hofberichterstattung“ ist folgende Passage in der Märkischen Allgemeinen vom 08.05.2010 über die Hoffnungen und Erwartungen am Flughafen BBI:
„Allmählich dürften auch die letzten Zweifler überzeugt sein. Der Großflughafen BBI in Schönefeld ist nach erheblichen Anfangsschwierigkeiten auf dem Weg, tatsächlich eine Erfolgsstory für Berlin und Brandenburg zu werden. Auch wer das Gezerre um die Standortsuche und die Finanzierung des Projekts noch in Erinnerung hat, dem nötigt das Tempo, in dem Berlin, Brandenburg und der Bund den Flughafenbau vorantreiben, doch Respekt ab.“
Im Gegenteil! Je bombastischer und gigantischer dieser Großflughafen ausufert, desto mehr Zweifel müssten jedoch angesagt sein. Denn es war schon immer die Berliner Provinzkrankheit seit der Wende eine Metropole sein zu wollen, die sie nicht ist oder die sie nicht wird. Deshalb baut sie nun einen Metropolenflughafen, der trotz des gegenwärtig hohen Bautempos nach wie vor 10 Jahre zu spät kommt.