Bricht nun bald das System der BBI-Spekulationen wie ein Kartenhaus in sich zusammen? Auch wenn Air Berlin nun vorerst gerettet wurde? (Teil 3)
Wenn auch mit etwas Zeitverzögerung möchte ich im Zusammenhang mit dem zu eröffnenden BER wieder einmal auf ein typisches Verhalten der hiesigen Hofberichterstattung aufmerksam machen, welches mit den Grundsätzen eines wahrhaftigen und aufklärerischen Journalismus kaum etwas zu tun hat (Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel). Was meine ich damit? Am 15.12.2011 waren wieder die Zeitungen mit den Zahlen prall gefüllt, die der FBS-Chef Schwarz pflegt in regelmäßigen Abständen zu repräsentieren (so z.B. siehe unten die Berliner Zeitung).
Dass der FBS-Chef Schwarz im Jahr der Eröffnung des BER 24 Mio. PAX sieht klingt natürlich durchaus realistisch, während in 2011 wohl 23,9 Mio. Passagiere erreicht wurden (Geschäftsbericht liegt erst im Frühjahr 2012 vor). Allerdings soll der Umsatz in diesem Zeitraum von 246 auf 273 Mio. € steigen. Wenn das so eintreten würde, dann wäre nach zig Jahren erstmals die Trendwende erreicht, wonach das Umsatzwachstum größer ist als das Passagierwachstum. Diese „Sensation“ wurde ja schon öfters angekündigt: nur dazu gekommen ist es bisher nie. Ganz im Gegenteil! Und das war fatal für die FBS und ebenso für den zu eröffnenden BBI!
Aber damit noch nicht genug: die angekündigte Sensation geht weiter! Für das Jahr 2012 wird durch Schwarz der ultimative Umsatzsprung angekündigt. Klar, was soll er auch machen, nach dem der FBS-Karren mit der überbordenden Billigfliegerei so tief in den Dreck gefahren wurde. Zwar soll wie bereits erwähnt ein Passagierwachstum von 23,9 Mio. PAX auf nur 24 Mio. PAX im Jahr 2012 stattfinden, aber dafür gibt es plötzlich einen Umsatzsprung von 273 auf 350 Mio. €. Lassen wir mal an dieser Stelle das Thema weg, ob es den Euro dann noch gibt oder was durch die immer mehr grassierende Inflation davon noch übrig ist, denn die EZB druckt ja nun ununterbrochen Geld (was noch nicht die ganz große Inflation macht, sondern diese erst dadurch ausgelöst wird, wenn die Sparer in Panik begreifen, dass ihr Geld immer weniger wert sein wird und sie den Euro via Konsum plötzlich alle los werden wollen). Aber mit einem Passagierzuwachs in Höhe von 0,1 Mio. PAX einen Umsatzsprung von 28 % zu schaffen (gegenüber 2010 sogar um 42 %) grenzt schon an massiven Realitätsverlust. Und dieses Wunder soll nach Schwarz ausgerechnet durch die höheren Gebühren und das Einkaufszentrum im Terminal erzeugt werden: In etwa nach dem Motto: „Wir erhöhen für unsere sehr preisbewussten Hauptkunden die Gebühren, aber die gehen dann deshalb vor dem Flug noch so richtig hochmotiviert shoppen”. Tolles Geschäftsmodell über das sich die Billigkunden aber gar nicht so richtig freuen können: Denn entsprechend des BER-Slogans wollen sie eigentlich nur schnell weg, ohne sich in dem BER-Konsumtempel nach den erhöhten Gebühren noch mal berappen zu lassen. Und die wollen billig weg: Das war ja die Philosophie des herangezüchteten und subventionierten „Erfolgsmodells“ im Einzugsgebiet der Armutsmetropole Berlin: die Billigfliegerei. Trotz dieser hyperoptimistischen Umsatzentwicklungsprognose, die so mit Sicherheit schon deshalb nicht eintritt, weil der BER kein Drehkreuz ist, werden auf dem BER in den nächsten Jahren jedoch erhebliche Verluste eingeflogen. Die Ankündigung dieser Verluste der Jobmaschine wurde/wird jedoch durch die auf den Pressekonferenzen anwesenden Journalisten zum Einen überhaupt nicht kritisch hinterfragt (oder habe ich das übersehen?). Und zum Anderen, wäre das kritisch hinterfragt worden, hätte man feststellen müssen, dass diese Verluste in Wirklichkeit noch viel höher ausfallen werden: schon alleine deshalb, weil die offerierten Umsatzsprünge reine Spekulation sind und so nicht eintreten werden! Aber natürlich nicht nur deshalb.
Dazu aber mehr in Teil 4 dieser Reihe!
Hier der Artikel der Berliner Zeitung
Berliner Zeitung Berlin – 15.12.2011 Neuer Großflughafen
Die „Nacht der Nächte“ wird turbulent Von Peter Neumann In Tegel und Schönefeld gehen die Lichter aus, danach startet der Umzug. Der neue Airport ist dann schon offen. Das wird die „Nacht der Nächte“, davon ist Flughafen-Chef Rainer Schwarz überzeugt. In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2012 werden mit Tegel und Schönefeld gleich zwei Airports an einen neuen Standort umziehen – zum Flughafen Berlin Brandenburg (BER). „So etwas hat es in der Geschichte der Luftfahrt noch nicht gegeben“, sagt Schwarz. Am gestrigen Mittwoch wurden weitere Details bekannt. Am ersten Juni-Sonnabend endet der Flugbetrieb in Tegel für immer – 42 Jahre nach Aufnahme des zivilen Luftverkehrs. Eine Maschine der Air Berlin soll das letzte Flugzeug sein, das dort zwischen 22 und 23 Uhr abhebt, so Schwarz. Kurz darauf ist auch auf dem Flughafen Schönefeld Schluss, 66 Jahre nach dessen Eröffnung. Ein Flugzeug der Aeroflot wird zwischen 23 und 24 Uhr den Ausstand geben – dann gehen dort ebenfalls die Lichter aus. Umzug beginnt schon im April Das Terminal des neuen Flughafen BER nebenan ist dann schon seit Stunden geöffnet – für eintreffende Passagiere. Damit über Nacht nicht zu viele Überführungen nötig werden, steuern Flugzeuge bereits ab 18 Uhr nicht mehr Tegel, sondern den BER an, um dort auf der Nordbahn zu landen. Die voraussichtlich bis zu 6.000 Passagiere, die mit ihnen ankommen, werden die ersten regulären Fluggäste sein, die das neue Terminal von innen kennenlernen. Offiziell eröffnet ist der Flughafen damit aber noch nicht. Das ist erst am folgenden Morgen der Fall, wenn die neue Südbahn in Betrieb genommen wird. Die ersten Starts am BER werden gegen 6 Uhr die Air Berlin und Lufthansa bestreiten, letztere voraussichtlich mit dem Riesen-Airbus A 380, kündigte der Flughafen-Chef an. Als erstes landendes Flugzeug soll sich eine Easyjet-Maschine die Ehre geben. In der Nacht davor wird die Autobahn von Tegel nach Schönefeld von 22 bis 3 Uhr gesperrt – und zum Schauplatz eines Großumzugs der besonderen Art. Ein Konvoi aus 600 Lastwagen, Tiefladern und anderen Fahrzeugen setzt sich in Bewegung, um Technik 35 Kilometer weit zum BER zu bringen. Sehr große Ladegüter wie Fluggastbrücken müssen Umwege fahren, da nicht alle durch die fünf Tunnel und 29 Brückendurchfahrten passen, so Schwarz. Der Umzug beginnt schon im April: mit Gegenständen, die für den Betrieb nicht unbedingt nötig sind. Doppelt so viele Fluggäste wie 2002 Schwarz’ Geschäftsführer-Kollege Manfred Körtgen nimmt den jüngst begonnenen Probebetrieb im Terminal als Omen, dass auch der Umzug klappt. „Bislang hat der Probebetrieb gut funktioniert“, sagt der Ingenieur. Vom 7. Februar 2012 an werden rund 10 000 Komparsen Fluggäste spielen – und ganz gewöhnliche Abläufe sowie außergewöhnliche Situationen simulieren. 18 000 Bewerber hatten sich gemeldet. „Immer dienstags und donnerstags wird geprobt, in der Regel mit je 200 Passagieren, die immer nur einmal eingesetzt werden. Danach gibt es Auswertungen“, sagte Schwarz. Der neue Flughafen wird die Geschäftszahlen erneut nach oben treiben. Für 2012 erwartet Schwarz mehr als 24 Millionen Fluggäste und einen Umsatz von mehr als 350 Millionen Euro. Dabei ist schon 2011 rekordverdächtig: 273 Millionen Euro Umsatz und 23,9 Millionen Passagiere – fast doppelt so viele wie 2002. Allerdings wird den Prognosen zufolge auch der Verlust der Flughafengesellschaft steigen: von 70 Millionen auf 100 Millionen 2012.
1 comment » | Allgemein, BBI-Baustopp sofort, Fälschung des unrentablen BBI, Trotz FBS-Märchen kommt auch der BBI-Crash!