Der BBI-Unsinn wird immer grenzenloser. Die Manipulationen offensichtlich auch.
Nehmen wir uns einen Presseartikel der letzten Tage zur Illustration dieses Tatbestandes. Vielleicht aus der Morgenpost vom 16.12.mit der Headline „Senat hält BBI-Schuldfrage für nebensächlich“, in dem viele interessante und aufschlussreiche Zitate und Statements zu dieser Thematik angeboten werden:
Da fängt das Problem schon mit der Überschrift an! Nur in einer Schuldenmetropole kann man die BBI-Schuldfrage für nebensächlich halten. Die Schulden sind in einer Schuldenmetropole auch „nebensächlich“ und keiner fragt ernsthaft nach den Ursachen der Schulden des Berliner Schuldenbergs. Eine wesentliche Ursache dafür ist eben auch der BBI, ganz abgesehen, dass es „nebensächlich“ sein soll, wenn betrogen und manipuliert wurde, dass sich die Balken biegen.
Es ist schon sehr eigenartig wenn nun plötzlich
„das Brandenburger Ministerium für Infrastruktur den Vorwurf der Akten-Manipulation zurückweist. „In den Unterlagen des Planfeststellungsbeschlusses sind alle Schreiben der Deutschen Flugsicherung von 1998 vollständig enthalten“, sagte Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Diese Unterlagen seien in vollem Umfang auch an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegangen.““
Gibt es vielleicht wieder zwei Varianten von Unterlagen und Dokumenten? Etwa wie bei der Betriebsgenehmigung für Schönefeld auch zwei verschiedene Versionen existieren (Ich berichtete in meinem Blog darüber)?
„Die erhobenen Vorwürfe der Täuschung des Bundesverwaltungsgerichtes beruhen nicht auf Unterlagen der Planfeststellungsbehörde“, betonte Schade“.
Aha, die Vorwürfe sind gerechtfertigt, aber die Planfeststellungsbehörde ist unschuldig.
„Ob die Flughafengesellschaft Akten manipuliert hat, wollte Schade gestern nicht beantworten. „Hier müssen sie den Flughafen fragen. Wir sind hier nicht zuständig.“
Das Land Brandenburg ist zwar Gesellschafter der FBS, aber eben nicht für ihr Unternehmen zuständig.
Wenn „Anlagen nicht belegt (sind) sei dass kein ungewöhnlicher Vorgang,“ so Schade weiter.
Stimmt! In Brandenburg stimmt das. In Brandenburg ist vieles eigenartig und läuft schief. Der Bundesgerichtshof hat ja der Regierung z.B. bei der Enteignung von Bodenreformland der Landesregierung grobe Sittenwidrigkeit attestiert. Und was sagt die FBS zu den Manipulationsvorwürfen?
„Die Flughafengesellschaft kündigte am Dienstag an, die Manipulationsvorwürfe zügig aufklären zu wollen. Wann mit Ergebnissen zu rechnen sei und ob dem Flughafen denn noch die Akten aus den Jahren 1998 und 1999 vorliegen, konnte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Dienstag nicht beantworten. Gleichzeitig sagte der Flughafensprecher, dass die Vorwürfe „ins Leere“ gehen würden.“
Auch hier kann man sich nicht des befremdenden Eindrucks erwehren, dass da etwas nicht stimmt. Zwar soll bei einem derartig wichtigen Verfahren und bei der Gründlichkeit der deutschen Bürokratie zügig aufgeklärt werden, aber wann mit welchen Ergebnissen zu rechnen sei, wisse man nicht. Nach skurriler wird es, dass die Flughafengesellschaft nicht wisse, ob vielleicht noch Akten da seien oder nicht. Hieraus drängt sich die berechtigte Frage auf, warum man dann jetzt schon wissen könne, dass die Vorwürfe „ins Leere“ gehen würden. Weder Flughafenchef Schwarz noch Flughafensprecher Kunkel waren damals bei der FBS, kennen die zu ermittelnden Akten noch nicht, behaupten dies aber. Aber wahrscheinlich steckt hinter dieser Aussage eine tiefere Botschaft: Wenn die manipulierte Anlagen LEER sind, weil der Vorgang manipuliert wurde, gehen die Vorwürfe tatsächlich ins LEERE! Nix mehr da! Und damit werden die Manipulationsvorwürfe natürlich auch bestätigt. Weiter mit Flughafensprecher Kunkel:
„Von Vertuschung könne keine Rede sein, da die Notwendigkeit abknickender Flugrouten bei unabhängigem Parallelstart sowohl im Anhörungsverfahren 2001 als auch vor dem Bundesverwaltungsgericht 2006 explizit erörtert worden seien.“
Nein Herr Kunkel, es ist nicht nur von Vertuschung die Rede, sondern von Manipulation, die nun vertuscht werden soll. Stellt sich hier auch folgende Frage: Wenn alles mit der Abknickerei der Flugrouten so klar und transparent gewesen sein soll, warum konnten die plötzlich so vielen „BBI-Fluglärmneubürger“ nicht damals in einem Verfahren ihre Betroffenheit äußern und erfahren es nun plötzlich von hinten durch die kalte Küche? Und wenn das angeblich erörtert worden sei, warum wurden die fluglärmbetroffenen Bürger auf 20.000 heruntermanipuliert. Wahrscheinlich wird hier nach dem Ausgleichs- und Durchschnittsprinzip gearbeitet: Die Fluglärmbetroffenen wurden um das 10fache dezimiert und dafür die Jobs der angeblichen Jobmaschine dafür verzehnfacht. So gleicht sich alles ganz einfach und wundersam aus.
Ebenso vermengt Herr Meng verschiedene Aspekte, die so nicht darstellbar sind, ohne die Bürger zu manipulieren:
„Es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz derzeit über zehn Jahre alte Briefe diskutiert wird“, sagte Senatssprecher Richard Meng. „Die eigentliche Frage ist doch: Bekommen wir zügig vernünftige Flugrouten durch die Deutsche Flugsicherung?“
Erstaunlich ist es, dass Recht und Gesetz zu so nebensächlichen Beiwerk verkommen sind. Sind wir bereits in einem rechtsfreien Raum? Möglich. Dann braucht man einen 10 Jahre alten Betrug auch nicht mehr aufzuklären, weil er verjährt ist. Und die Aufklärung des gestrigen Betruges wird nach diesem Strickmuster vertagt. Der verjährt dann natürlich auch.
Die dann von ihm gestellte Frage ob „wir zügig vernünftige Flugrouten hinbekommen“ zeugt wirklich von Unkenntnis oder ist wieder Manipulation: Die DFS legt die Flugrouten kurz vor der Eröffnung des BBI fest und nicht zügig. Auch die DFS weiß nicht ob der BBI mal zufällig zu dem absolut sicheren Eröffnungstermin auch tatsächlich öffnet oder nicht. Die Öffentlichkeit hat sich ja schon etliche Male zu den absolut sicheren Eröffnungsterminen täuschen lassen. Und weil der BBI als „Erfolgsstory“ auf mysteriöse Weise als schlechtester Standort zum Standort des BBI manipuliert wurde bekommt man auch keine vernünftige Flugrouten hin: für keinen Beteiligten!
Aber noch mal zu Herrn Meng:
„Meng erneuerte den Vorschlag des Senats für die Startrouten nach Westen. „Geradeausstarts von der Nordbahn und leicht abknickende Starts von der Südbahn.“ So seien auch die vom Senat für unverzichtbar gehaltenen Parallelstarts möglich. „Alles andere sind Randfragen. Es ist doch völlig wurscht, ob irgendjemand mal vor vielen Jahren 15-Grad-Abknickungen vorgeschlagen hat.“
Völlig “wurscht” klingt wie eine etwas verlodderte Amtssprache. Genau das ist eben die hemdsärmlige Politik in diesen Ländern. Der Fluglärm soll also nach Süden, nach Brandenburg zu den Brandenburgern abknicken. Die Brandenburger am Rande von und um Berlin sind dann wahrscheinlich auch die „Randfrage“, von der er spricht. Wahrscheinlich ist es auch völlig wurscht was im Falle der Eröffnung des BBI die DFS für ein Konzept vorlegt. Es werden zwar nur ca. 15 % der Brandenburger den BBI nutzen und die Berliner zu ca. 75 %, aber alle anderen Randfragen sind eben völlig wurscht. So wird in Berlin die Realität verbogen und die Wahrheit abgeknickt.
Weiter mit dem Wirtschaftssenator Berlins!
„Der Wirtschaftssenator betonte, dass es zu unabhängigen Parallelstarts und damit zu abknickenden Routen kommen müsse – „nicht dauerhaft, aber zu Spitzenzeiten“. Im Übrigen sei bekannt, dass die Planfeststellung und die Routenplanung voneinander abweichen könnten.“
Angeblich soll der BBI ein Drehkreuz sein: Dann würden sich diese Spitzenzeiten im Parallelbetrieb erheblich und dauerhaft ausdehnen. Weil der Wirtschaftssenator auch an das Drehkreuz zumindest politisch glaubt spielt er damit ebenso
das Problem herunter. Im Übrigen ist nun auch bekannt geworden, dass nicht nur „die Planfeststellung und Routenplanung voneinander abweichen „könnten““ sondern auch die Akten zum Planfeststellungsverfahren.
Die Wirtschaftsvertreter aus Berlin und Brandenburg lassen ähnliches verlautbaren:
„Die Festlegung der Flugrouten ist nicht Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Christian Amsinck. Es sei ärgerlich, dass diese zwei unterschiedlichen Vorgänge in der Flugroutendiskussion vermischt würden.“
Der erste Satz ist zwar richtig, aber der zweite in einem anderen Sinne auch: Denn vermischt wurden unterschiedliche Dokumente von offensichtlich manipulierten Aktenvorgängen. Und zwar so, dass die BBI-Fluglärmneubürger ihre Betroffenheit infolge der Flugroutenabknickerei in einem Planfeststellungsverfahren nicht einmal ansatzweise äußern konnten. Deshalb gibt es jetzt den Dauerprotest zu BBI 21.
„Man muss aufpassen, dass das BBI-Projekt jetzt nicht beschädigt wird“, sagte Amsinck. „Der BBI muss wie beschlossen realisiert werden, weil er für die Wettbewerbsfähigkeit der Region unverzichtbar ist.“ Schon heute sei das Projekt eine Erfolgsstory, denn bisher profitierten mehr als 350 Unternehmen aus Berlin und Brandenburg von dem Milliarden-Projekt.“
„Nicht beschädigen?“. Kann man bei einer zerschlagenen Porzellanvase noch aufpassen, dass man sie nicht beschädigt.
„Wie beschlossen realisieren?“: Also bauen und danach privatisieren. Aus Bauen wird’s was, wenn nicht noch irgendwas schief läuft, aber nicht aus privatisieren. Selbst Herr Schwarz hat gesagt, dass der BBI die ersten Jahre keine Gewinne einfliegt. Er hat allerdings lieber nicht gesagt wie hoch die Verluste sein werden. Wer es will kann es aber ausrechnen, mein Buch kaufen oder in meinem Web-Blog stöbern. Wer von einer Erfolgsstory redet, die 16 Jahren mit viel Steuergeld verplant wurde und 10 Jahre zu spät kommt, hat noch nicht verstanden, dass das Projekt mit dem Baufeld-Ost-Flächen-Skandal, dem Konsensbeschluss und dem Abwinken der Privatwirtschaft absolut und irreparabel beschädigt wurde: Nicht von den Bürgern, sondern von den Politkern, die nun die Bürger betrügen.
Jetzt meldet sich noch mal Herr Amsinck abschließend zu Worte:
„Die jetzt erhobenen Manipulationsvorwürfe nannte Amsinck reine Spekulation. „Es fällt auf, dass plötzlich Schreiben mit nebulösen Quellen auftauchen, deren Wahrheitsgehalt schwierig nachzuweisen ist.“
Woher weiß er, dass die Manipulationsvorwürfe reine Spekulation sind? Weiß er auch wer mit den Manipulationen spekuliert hat? Meint er die plötzlich auftauchenden Schreiben der DFS als nebulöse Quelle, deren Wahrheitsgehalt schwer nachzuweisen ist?
Es gab schon so viele Skandale um den BBI: Nun haben wir einen mehr! Die Welt macht sich über die hiesige Flughafenpolitik seit langem lustig und macht dabei schon lange Nägel mit Köpfen. Hier rollen Köpfe im politischen System, wenn es eine kritische Meinung zum BBI gibt. Oder einen Maulkorb.
Vielen Dank an Frau Schoelkopf von der Morgenpost für die schöne Zitatensammlung.
P.S.: Leider ist der Text wieder so lang geworden, aber dieses Mal ist er nicht teilbar und aufgrund der vielen denkwürdigen Zitate nicht zu kürzen gewesen. Auch konnte ich ihn erst jetzt in meinem Blog veröffentlichen, da ich mich ja wie in meinem Blog beschrieben, mit anderen Dingen befassen musste. Hier nun der Morgenpostartikel:
Berliner Morgenpost
Flugrouten
Senat hält BBI-Schuldfrage für nebensächlich
Mittwoch, 15. Dezember 2010 11:51 – Von Katrin Schoelkopf/dpa
Viel wichtiger ist für Berlins Regierung, wann die Deutsche Flugsicherung vernünftige Routen vorlegen wird. Im Vorwurf der Akten-Manipulation bleiben die Verhätlnisse nach wie vor unklar.
Das Brandenburger Ministerium für Infrastruktur hat den Vorwurf der Akten-Manipulation zurückgewiesen. „In den Unterlagen des Planfeststellungsbeschlusses sind alle Schreiben der Deutschen Flugsicherung von 1998 vollständig enthalten“, sagte Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Diese Unterlagen seien in vollem Umfang auch an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegangen. „Die Briefe der Deutschen Flugsicherung sind vom Ministerium in der vollständigen und korrekten Form dem Bundesverwaltungsgericht zur Verfügung gestellt worden und dort auch nach wie vor vorhanden“, sagte Schade. Das Gericht habe dies am Dienstag ausdrücklich bestätigt. „Die erhobenen Vorwürfe der Täuschung des Bundesverwaltungsgerichtes beruhen nicht auf Unterlagen der Planfeststellungsbehörde“, betonte Schade.
Ob die Flughafengesellschaft Akten manipuliert hat, wollte Schade gestern nicht beantworten. „Hier müssen sie den Flughafen fragen. Wir sind hier nicht zuständig.“ Tatsache aber sei, dass in dem Antrag zur BBI-Planfeststellung vom Dezember 1999 die Seiten 40, 41 und 42 leer und „Anlagen nicht belegt“ sind. Das aber sei kein ungewöhnlicher Vorgang. Die Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“ hatte der Flughafengesellschaft am Montag vorgeworfen, aus den beiden Schreiben der Deutschen Flugsicherung eines gemacht zu haben. Dieses „gefälschte“ Schreiben – so der Vorwurf – soll dem Planfeststellungsantrag beigefügt worden sein, um die Notwendigkeit, abknickende Flugrouten noch in die Planfeststellung einarbeiten zu müssen, zu vertuschen.
Flughafen will Vorwürfe prüfen
Wie berichtet war in der vergangenen Woche ein Brief des damaligen Flughafenchefs Götz Herberg an das Bundesverkehrsministerium vom 7. Oktober 1998 aufgetaucht. Herberg hatte das Ministerium aufgefordert, auf die Deutsche Flugsicherung einzuwirken, damit diese von der Notwendigkeit abknickender Routen absieht. Der Brief zeigt, dass der Flughafengesellschaft aus Zeit- und Kostengründen damals daran gelegen war, abknickende Flugrouten nicht mehr in den fast fertigen Planfeststellungsantrag einarbeiten zu müssen.
Ob es sich dabei um ein bewusstes Täuschungsmanöver handelt oder der Flughafenchef nur daran interessiert war, die Planfeststellung für den neuen Flughafen nicht zu verzögern, ist offen. Die Flughafengesellschaft kündigte am Dienstag an, die Manipulationsvorwürfe zügig aufklären zu wollen. Wann mit Ergebnissen zu rechnen sei und ob dem Flughafen denn noch die Akten aus den Jahren 1998 und 1999 vorliegen, konnte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Dienstag nicht beantworten. Gleichzeitig sagte der Flughafensprecher, dass die Vorwürfe „ins Leere“ gehen würden. Von Vertuschung könne keine Rede sein, da die Notwendigkeit abknickender Flugrouten bei unabhängigem Parallelstart sowohl im Anhörungsverfahren 2001 als auch vor dem Bundesverwaltungsgericht 2006 explizit erörtert worden seien. „Der Planfeststellungsbeschluss ist gerichtsfest. Der Flughafen hat damit einen Rechtsanspruch auf unabhängige Parallelstarts.“
Das Bundesverwaltungsgericht äußerte sich gestern überraschend zu der Diskussion und bestätigte, dass das Urteil über den Planfeststellungsbeschluss rechtskräftig ist. Allerdings bestehe die Möglichkeit einer Wiederaufnahmeklage nach dem Gesetz, wenn zum Beispiel das ergangene Urteil auf gefälschten Urkunden beruht. Ob die jetzt bekanntgewordenen Lücken im Planfeststellungsantrag eine Wiederaufnahmeklage rechtfertigen, könne sie aber nicht sagen, sagte eine Gerichts-Sprecherin. Der Berliner Senat bezeichnete die heftige Debatte darüber, wer wann was über die Planung der Flugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI wusste, am Dienstag als nebensächlich. „Es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz derzeit über zehn Jahre alte Briefe diskutiert wird“, sagte Senatssprecher Richard Meng. „Die eigentliche Frage ist doch: Bekommen wir zügig vernünftige Flugrouten durch die Deutsche Flugsicherung?“
Meng erneuerte den Vorschlag des Senats für die Startrouten nach Westen. „Geradeausstarts von der Nordbahn und leicht abkni
ckende Starts von der Südbahn.“ So seien auch die vom Senat für unverzichtbar gehaltenen Parallelstarts möglich. „Alles andere sind Randfragen. Es ist doch völlig wurscht, ob irgendjemand mal vor vielen Jahren 15-Grad-Abknickungen vorgeschlagen hat.“
Nach Angaben von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) waren die Flugrouten, frühere Briefe und die Frage, ob Unterlagen aus Akten entfernt worden seien, kein Thema in der Senatssitzung am Dienstag. Der Wirtschaftssenator betonte, dass es zu unabhängigen Parallelstarts und damit zu abknickenden Routen kommen müsse – „nicht dauerhaft, aber zu Spitzenzeiten“.
Im Übrigen sei bekannt, dass die Planfeststellung und die Routenplanung voneinander abweichen könnten. Das betonten am Dienstag auch die Wirtschaftsvertreter aus Berlin und Brandenburg. „Die Festlegung der Flugrouten ist nicht Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Christian Amsinck. Es sei ärgerlich, dass diese zwei unterschiedlichen Vorgänge in der Flugroutendiskussion vermischt würden. „Man muss aufpassen, dass das BBI-Projekt jetzt nicht beschädigt wird“, sagte Amsinck. „Der BBI muss wie beschlossen realisiert werden, weil er für die Wettbewerbsfähigkeit der Region unverzichtbar ist.“ Schon heute sei das Projekt eine Erfolgsstory, denn bisher profitierten mehr als 350 Unternehmen aus Berlin und Brandenburg von dem Milliarden-Projekt.
Wirtschaft für abknickende Routen
Die Wirtschaft ist aus Gründen der Wirtschaftlichkeit des Flughafens für abknickende Routen und Flüge in den sogenannten Nachtrandzeiten zwischen 22 und 24 Uhr sowie 5 und 6 Uhr.
Die jetzt erhobenen Manipulationsvorwürfe nannte Amsinck reine Spekulation. „Es fällt auf, dass plötzlich Schreiben mit nebulösen Quellen auftauchen, deren Wahrheitsgehalt schwierig nachzuweisen ist. Der Präsident der IHK Potsdam, Viktor Stimming, forderte dagegen, „dass die Flughafengesellschaft mehr Transparenz walten lässt“. So hätte die Flughafengesellschaft früher mitteilen müssen, dass die Flugrouten auch abknicken können und andere Gebiete überflogen werden als ursprünglich gedacht.