(Durch meinen Computerausfall kommt dieser Blogtext nun etwas später!)
Es ist eigentlich unglaublich was der ehemalige Umwelt- und Raumordnungsminister Brandenburgs Platzeck von sich gab, als er sich dazu herabließ, vor seiner Staatskanzlei eine Botschaft an die Protestierenden zu richten und das geplante eingeschränkte nächtliche Flugverbot als notwendige Belastung für einen großen Teil seines Volkes zu verteidigen.
„Wir werden ein Industrieland nicht zum Nulltarif haben können“, sagte er. Ein völliges Nachtflugverbot werde er nicht unterschreiben. Das Projekt gehöre schließlich der öffentlichen Hand. „Wenn die Rahmenbedingungen für den Flughafen schlecht sind, leidet kein Großkapitalist, sondern der Steuerbürger“, rief er unter Buh-Rufen.“ MAZ 30.08.2011
Was soll man dazu sagen, wenn man diesen Unsinn erst einmal verdaut hat?
1. „Wir werden ein Industrieland nicht zum Nulltarif haben können“
Nicht nur, dass er damit zum Ausdruck bringt, dass diese Region alles andere als eine blühende Landschaft ist, er drückt auch aus, warum dieses arme und abgebrannte Land keine Industrie mehr hat oder nach der Wende kaum ansiedeln konnte. Was hat die Industrialisierung mit keinem „Nulltarif“ zu tun. Hier geht es um eine handfeste Investitionspolitik durch Gewinnung von privatem Kapital. Aber genau das ist der Punkt: Die arrogante und schnöde Investorenfeindlichkeit dieser Landesregierung, die sich z.B. seit der Wende lieber mit 17 Ministerskandalen beschäftigte und genau das Gegenteil tat, was Investoren haben wollten. Prominentestes Beispiel natürlich der BBI: Die wollten eben nie diesen Deppenstandort Schönefeld. Und weil die SPD-Regierung und ihre Mitmacher eine verbohrte und starrsinnige Politik fahren, fuhren sie schon frühzeitig alles und sehr kostspielig gegen die Wand. Das Land verarmt, schrumpft und vergreist, bis auf den engeren Verflechtungsraum, und der wird jetzt auch noch für den Berliner Flughafen BER mit Hilfe der Brandenburgischen Vasallenpolitik verlärmt und vergast.
Offensichtlich wurde damals schon der hochspekulative Großflughafen für 60 Mio. PAX erfunden, weil man für eine effiziente Industrie- und Investitionspolitik einfach zu unfähig war. Dem Großenwahn der Parteibuch- und Posemuckelpolitiker folgt dann der große Fall: Als wenn ein Großflughafen, der die anderen Drehkreuze in Europa ablösen soll (ich berichtete über diesen Größenwahnsinn) und die Industrie dann danach hinterherzieht. Wenn es nicht so dramatisch und so kostspielig wäre, könnte man sich über diese Münchhausenpolitik nur noch kaputtlachen. Ausgerechnet dieses heruntergekommene Land will sich an diesem Großflughafen, der nun die hoch gezüchteten Billigflieger am Hals hat und dessen glücklose Pleiten-, Pech- und Pannenplanung vor 20 Jahren begonnen hat (und der auch mit Sicherheit nicht in 2012 eröffnet) aus dem Sumpf ziehen…..
2. „Ein völliges Nachtflugverbot werde er nicht unterschreiben. Das Projekt gehöre schließlich der öffentlichen Hand“
Was ist das? Was ist ein völliges Nachtflugverbot, wenn nach Platzecks Vorstellungen und Wünschen 113 Nachtflüge zur Verlärmung seines Volkes nah und fern abgewickelt werden sollen? Außerdem teilt er den Bürgern unverhohlen mit, dass die öffentliche Hand menschenfeindlich ist. Denn eben weil der BBI, der (offensichtlich glücklicherweise) in öffentlicher Hand ist, gibt es kein Erbarmen für die Bevölkerung vor dem Nachtflug.
Gerade Platzeck weiß aus seiner Amtszeit als Umweltminister wie ungeeignet der Standort Schönefeld ist und dass ein striktes Nachtflugverbot unabkömmlich ist.
Aber dann auch noch beschwörend zu verkünden, dass Projekt gehöre der öffentlichen Hand ist für seine Bürger unzumutbar! Nichts gehört der öffentlichen Hand, sondern der Steuerzahler ist nun in der Hand dieses kreditfinanzierten Molochs bzw. in Bankenhand, den kein Privater bauen wollte bzw. in den keiner einsteigen will. Die Schulden, die das BBI-Kartell für den fremdfinanzierten und hochspekulativen BBI aufgenommen hat werden dem Land überall fehlen. Erst wurde für die subventionierten Billigflieger geflogen und nun für die Banken, um den Schuldendienst für den Luxusflughafen, auf dem sich nur Billigflieger tummeln, zu leisten. Was nicht leistbar sein wird…..Dank der öffentlichen Hand müssen die Hände und Geldbeutel der Steuerzahler dauerhaft für diesen Schildbürgerstreich aufkommen. Die öffentliche Hand bestraft die Bürger diktatorisch und in mehrfacher Hinsicht.
3. „Wenn die Rahmenbedingungen für den Flughafen schlecht sind, leidet kein Großkapitalist, sondern der Steuerbürger“
Schon gespenstisch, er bringt schon wieder alles durcheinander:
Erstens bringt er damit das Vorige und die „Regierungslogik“ zum Ausdruck, welche Auffassung er zu den so genannten Großkapitalisten hat. Hier vertreibt man lieber diese Investoren, siehe auch Berlin (ein Wowereittext folgt dazu).
Zweitens tut er so als würde mit der Durchpeitschung dieses Nachtflugregimes der BBI rentabel fliegen: Mitnichten!
Drittens leidet eben der Steuerbürger, weil bei diesem Projekt durch Arroganz und Unfähigkeit der Politik die Investoren vertrieben worden sind. Hätte man sich an das Ergebnis des Raumordnungsverfahren gehalten, dann bräuchte man jetzt nicht um ein Drehkreuz und Interkontinentalflüge für einen missratenen Großflughafen zu betteln, der bereits vor mindestens 10 Jahren an einen anderen Standort in Betrieb gegangen wäre: Natürlich unter privater Regie bei Planung, Bau und Betrieb!
Am Standort Schönefeld sind die Rahmenbedingungen extrem schlecht. Deshalb leidet ja eben leider der Steuerzahler lange bevor der Politikerspuk in Betrieb gegangen ist, weil die „bösen Großkapitalisten“ auf dieses Vehikel verzichten mussten: Die bösen Großkapitalisten werden eben nur für eine Reichensteuer gebraucht, damit das Land regierungsfähig bleibt und vor den Wahlen noch eifrig Geschenke verteilt werden können.
Und dann äußerte sich Platzeck auch noch, dass seine Phantasie nicht ausreichen würde, um sich eine 3. SLB an diesem Standort vorstellen zu können: Offensichtlich hat er keine, nach dem was alles auch unter seiner Regie geschehen ist. Der Brandenburger Bürger konnte sich jedenfalls damals auch kaum vorstellen, dass nach dem eindeutigen Ergebnis des Raumordnungsverfahrens, ausgerechnet der schlechteste Standort favorisiert und mit aller Brutalitäten durch Tricksereien und Täuschungen an dem Lieblingsstandort von Diepgen und Wowereit durchgepeitscht wurde. Jedenfalls haben jetzt die Protestierenden in Berlin und Brandenburger genug Phantasie, um sich vorzustellen, welche Sittenwidrigkeiten sich die Obrigkeit noch einfallen lassen könnte…..Ich habe jedenfalls genug Phantasie, dass kurz nach der Wahl von Wowereit verkündet wird, dass die Eröffnung des BBI wieder einmal verschoben wird. Wieder genug Zeit gewonnen, um Hochglanzbroschüren zur tollen Jobmaschine zu drucken…..