BBI – Büchse der Pandora? Und jeder neue BBI-Eröffnungstermin bescherte den Steuerzahlern noch mehr Kosten. Es gab viele Verschiebungen! (Teil 2)
Zunächst Eingangs in Teil 2 eine sehr aufschlussreiche Textpassage aus der Berliner Morgenpost vom 17.04., wo die folgenden Aussagen von Geschäftsführer Schwarz auf der Bilanzpressekonferenz zitiert werden:
„Von den insgesamt 440 Millionen Euro, die der Flughafen an eigenen Mitteln für den neuen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld aufbringen muss, sind in den vergangenen fünf Jahren bereits 336 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Flughafenchef Schwarz geht davon aus, dass der Rest von 104 Millionen Euro in diesem und dem nächsten Jahr gut zu schaffen ist.
Um die Kredite ab Eröffnung des BBI bedienen zu können, wird der Flughafen pro Jahr aber weiterhin mindestens 100 Millionen Euro an eigenen Mitteln für die BBI-Finanzierung aufbringen müssen. Damit dies gelingt, muss der Umsatz gesteigert werden. So will Flughafenchef Rainer Schwarz weiterhin die „margenstarken Bereiche“ wie das Non-Aviation- und Vermietungsgeschäft verstärken.“
Dass sich dieser Blogtext diesem Zitat so ausführlich widmen muss, hat seinen Grund. Dadurch wird es in den nächsten Punkten aber ausgesprochen aufschlussreich:
1. Die Mittel für den BBI seien angeblich durch die FBS erwirtschaftet worden
Die Aussage, dass die Mittel für den BBI in den letzten Jahren angeblich durch die FBS erwirtschaftet worden sein sollen entspricht schlicht nicht den Tatsachen. Denn diese Mittel sind Subventionen durch die Gesellschafter der FBS, die zwar tatsächlich erwirtschaftet worden sind, allerdings von den Steuerzahlern der armen Länder Berlin und Brandenburg.
Im Gegensatz zur Aussage von Schwarz ist auf Seite 57 des Geschäftsberichts dahingehend nachlesbar, dass die diesjährige Erhöhung der Kapitalrücklage um 49 Mio. EURO aufgestockt wurde, die „auf eine Bareinlage der Gesellschafter (TEUR 49.000) zurückzuführen“ ist.
Die Behauptung von Herrn Dr. Schwarz ist also völlig falsch, irreführend und soll offensichtlich suggerieren, dass die FBS bereits 336 Mio. EURO vom Eigenbeitrag für den BBI in Höhe von 440 Mio. EURO erwirtschaftet hätte. Immer wieder wird dann auch die „beeindruckende Eigenfinanzierungskraft“ der FBS hervorgehoben.
Auf diese wundersame Art und Weise wurden bereits tatsächlich 336 Mio. EURO vom Steuerzahler aufgebracht. Denn die wirtschaftlich sehr schwache FBS könnte diese Beträge jedenfalls nicht erwirtschaften! Das gleiche Spiel soll auch in den nächsten beiden Jahren mit den noch offenen 104 Mio. EURO fortgesetzt werden. Ein leistungsfähiger Flughafen müsste seine Kredite jedoch aus eigenen Mitteln bedienen können, die die FBS auch ein Jahr vor der angepeilten Eröffnung des BBI bei ihrem kläglichen Umsätzen gar nicht auf zubringen in der Lage wäre. Also wird dieses System des „Erwirtschaftens“ bzw. der Plünderung der Staatskassen und des Steuerzahlers auch in den nächsten Jahren fortgesetzt und forciert werden.
2. Jährlicher BBI-Schuldendienst mit mindestens 100 Mio. € ist nur möglich wenn der Umsatz steigt
„Um die Kredite ab Eröffnung des BBI bedienen zu können, wird der Flughafen pro Jahr aber weiterhin mindestens 100 Millionen Euro an eigenen Mitteln für die BBI-Finanzierung aufbringen müssen. Damit dies gelingt, muss der Umsatz gesteigert werden.“ Das ist eine weitere Kernaussage von FBS-Chef Schwarz.
Damit die FBS dieses Ziel realisieren kann, müsste nach dem obigen Zitat der Umsatz unbedingt gesteigert werden, um diese „mindestens 100 Mio. EURO Schuldendienst“ leisten zu können.
Wenn der Umsatz steigen würde, müsste er es aber gewaltig tun! Da die Umsätze im Jahr 2009 (auf einem ohnehin extrem niedrigen Niveau) aber weder wuchsen noch stagnierten, sondern schrumpften, wird der zu leistende jährliche Schuldendienst weitaus höher ausfallen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, wie in meinem Buch ermittelt, wird dieser sogar weit über 200 Mio. EURO liegen. Die Feststellung von Schwarz klingt dabei insgeheim schon wie eine Drohung: Wenn ihr nicht künftig freiwillig mehr fliegt werden wir uns das Geld (wie bisher) schon auf andere Weise holen!
Diese nicht selbst erwirtschafteten Mittel werden dann dem Steuerzahler schon auf sittenwidrige Weise abgepresst. Zum Beispiel fährt man die Straßen systematisch und jahrelang auf Verschleiß, um zunächst die Reparaturkosten zu sparen und um dann die Bürger die Kosten für den Ausbau der Straßen aufzubrummen. Oder weil man durch den Flugverkehr die Klimaziele Berlins ohnehin nicht realisieren kann, werden die Hauseigentümer zu mehr Klimaschutz am Haus verdonnert. Oder der Senat plant Parks, für die der Bürger aufkommen muss. Am besten ist jedoch eine Fusion mit Brandenburg, um die Berliner Schulden auf die im Jahr 2009 erstmals geschrumpften und vergreisenden Bevölkerung Brandenburgs abzuwälzen. Das wäre in dieser Hinsicht auch ein „genialer“ Schachzug, da der Anteil der Brandenburger am Quellaufkommen der Flughäfen Tegel und Schönefeld nur bei 10,9 % liegt. Die Berliner sind mit 78,5 % dabei (Tagesspiegel vom 24.03.2010). Äußert „praktisch“ ist es dann auch, dass der BBI in Brandenburg liegt und die Brandenburger wenigstens am Fluglärm der Berliner ausgiebig beteiligt werden. Aber zurück zu den Schulden im Geschäftsbericht, die Schlimmstes ahnen lassen!
Lesen Sie dazu morgen oder übermorgen in Teil 3 weiter!