Dass der BBI nun irgendwann teurer, später, lauter und hoffnungslos unwirtschaftlich in Betrieb gehen wird ist letztendlich dem denkbar ungünstigsten Standort des BBI geschuldet, der nun „überraschenderweise“ auch sehr viel mehr Berliner und Brandenburger infolge der international gesetzlich vorgeschriebenen Flugrouten der DFS verlärmen wird. Der BBI (und seine Standortentscheidung) ist ein prominentes und tragisches Beispiel dafür, wie inkompetent die Regierungen und deren Staatsbürokratien in den beiden Ländern Berlin und Brandenburg funktionieren. Wer eine andere Meinung hat oder berechtigte Kritik am BBI äußert bekommt einen Maulkorb verordnet oder wird rausgeschmissen. Denn keiner darf es wagen, die Jobmaschine BBI als heilige Kuh bzw. die Pleiten- Pech- und Pannenflughafenpolitik der Regierung zu kritisieren! Ausgerechnet BM Wowereit will nun seinen Einfluss gegen die DFS-Flugrouten geltend machen, obwohl er einerseits als Aufsichtsratsvorsitzender der FBS (und der den BBI zu seiner Chefsache gemacht hat) offensichtlich das Berliner Ausmaß des künftigen BBI-Lärm verschwiegen hat und andererseits denjenigen einen Maulkorb verhängte, die berechtigte Kritik äußerten und tatsächlich Fluglärmschutz für die Bevölkerung einforderten.
Lesen Sie in meinem Buch zur weiteren Enthüllung dieses Skandals auf Seite 136 bis 140 weiter!
“Nachtrag zu den künftigen Nachtrags- und Schuldenhaushalten
oder die Sache mit dem Bürgermeister von Köpenick
Früher raubte der Hauptmann von Köpenick die Stadtkasse, heute
plündert die Politik die Kasse, die Stadt und den Bürger aus. Besonders
für den BBI werden seit Jahren die Kassen Berlins und Brandenburgs
ausgeplündert: Für diese heilige Kuh ist immer Geld da! Wie mit kri-
tischen Stimmen gegen den BBI vorgegangen wird soll folgendes Bei-
spiel exemplarisch zeigen.
Gegen die künftigen Folgen des BBI für den Bezirk Treptow-Köpe-
nick wollte der damalige Bezirksbürgermeister Dr. Ulbricht im Interesse
seiner Bürger per Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss vorgehen,
da Teile Köpenicks u. a. durch den im damaligen Planfeststellungsbe-
schluss genehmigten Nachtflug in unzumutbarer Weise verlärmt wer-
den würden. Nachdem er in einem Schreiben vom 28. September 2004
beim Chef der Senatskanzlei und in einem Schreiben vom 30. Septem-
ber 2004 an die Stadt- und Umweltsenatorin in Kenntnis setzte, dass
er im Interesse des Bezirks und seiner Bürger gegen den Planfeststel-
lungsbeschluss klagen wolle, ließ die Reaktion des Regierenden Bürger-
meisters nicht lange auf sich warten. In einem mir vorliegenden Brief
an den Bürgermeister von Köpenick vom 3. Oktober 2004 droht er
ihm, dass er mit einer Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss dem
dringenden Gesamtinteresse Berlins zuwider laufen würde. „Sollte der
Bezirk dennoch Klage erheben, sehe ich mich veranlasst, Maßnahmen
im Wege der Dienstaufsicht gegen Sie einzuleiten.“
Bürgermeister Wowereit, der weniger für die vom BBI betroffenen
Bürger zuständig ist, als für die FBS, zeigt auf diese Weise, dass der
Schutz der Bürger offensichtlich dem Gesamtinteresse Berlin zuwi-
derläuft! Dringend wäre es gewesen, die Schulden von Berlin weiter
abzubauen und nicht die Bürger weiter auszuplündern. Was hat das
mit Recht zu tun, wenn berechtigte Kritik auf diese Weise gemaßregelt
wird und der Bürgermeister nur seine Pflicht bei der Interessenwahr-
nehmung seiner Bürger erfüllt und sich obendrein an die Verfassung
von Berlin entsprechend Artikel 36, Absatz 3 hält: „Werden die in der
Verfassung festgelegten Grundrechte offensichtlich verletzt, so ist je-
dermann zum Widerstand berechtigt“!
Dass der Widerstand berechtigt war, hat das Bundesverwaltungsge-
richt in aller gebotenen Schärfe mit dem weitgehenden Nachtflugver-
bot auch zum Ausdruck gebracht, obwohl der Bürgermeister Ulbricht
in dem Brief vom 1. Oktober 2004 von der Umweltsenatorin belehrt
wurde, dass im „Planfeststellungsbeschluss … entgegen der Befürch-
tung des Bezirksamtes der aktuelle Stand der Lärmwirkungsforschung
berücksichtigt worden [ist] … [und] eine Verletzung von Rechten durch
Lärmimmissionen definitiv ausgeschlossen werden kann.“
Definitiv! War die zuständige Senatsverwaltung etwa nicht im
Bilde? Denn die Grundgesetzwidrigkeit dieses Planfeststellungsbe-
schlusses, der auch die in der Verfassung von Berlin in Artikel 8 veran-
kerten Grundrechte der Bürger zutiefst verletzt, war offensichtlich:
„(1) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf
Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“
Und auch Herr Körting, der Innensenator, macht keine bessere Figur
bei der Kampagne gegen Ulbricht, wenn er ihn im Schreiben vom 30.
September dringlich dazu auffordert, von der Klage abzusehen, da er
sich dahingehend „nicht auf eine ‚Notzuständigkeit’ berufen könne.“
Es ist davon auszugehen, dass die Senatsverwaltung von den Defi-
ziten des Planfeststellungsbeschlusses wusste. Wer meint, dieses Bei-
spiel sei ein Einzelfall irrt. Bei dem Beispiel geht es jedoch nicht um
die Kritik zu den Folgen des BBI für die betroffenen Bürger, sondern
um das sich schon damals abzeichnende planerische Desaster des BBI,
welches der kaufmännische Geschäftsführer der damaligen BBF, Herr
Kilian Krieger, im Jahr 1999 bemängelte. Krieger wurde dann wegen
seiner fachlich-kritischen Äußerungen durch den damaligen Aufsichts-
ratsvorsitzenden Diepgen gefeuert. Aufgrund der Brisanz und Aktuali-
tät dieser Kritik, die FBS suchte Anfang 2009 nach dem „plötzlichen“
Ausscheiden des neuen Planungschefs Weyer einen neuen Finanzvor-
stand, soll an dieser Stelle recht ausführlich der aufschlussreiche Artikel
wiedergegeben werden:
„Diepgen feuert Holding-Geschäftsführer – Kilian Krieger hält das Groß-
projekt Schönefeld für gescheitert!
Erneut ist es im Zusammenhang mit dem geplanten Großflughafen
zu einem Eklat gekommen. Gestern entließ der Regierende Bürgermeis-
ter Eberhard Diepgen (CDU) den kaufmännischen Geschäftsführer der
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Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF), Kilian Krieger. Krieger
hatte zuvor geäußert, seiner Ansicht nach stehe das Projekt vor dem Aus.
Diepgen und Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD)
bekräftigten dagegen gestern, Schönefeld werde gebaut. Auch SPD-
Fraktionschef Klaus Böger forderte, am Großprojekt festzuhalten.
Der Chef der Senatskanzlei, Volker Kähne sagte, Krieger, Diep-
gen und er selbst seien zu einer Sitzung zusammen gekommen, auf der
Krieger seine Kritik wiederholt habe. Daraufhin habe Diepgen in sei-
ner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der BBF Krieger mit sofor-
tiger Wirkung abgelöst. „Natürlich darf er diese Meinung haben“, sagte
Kähne. „Aber dann ist er der falsche Mann für diesen Posten.“
In einer internen Sitzung der BBF hatte Krieger gesagt, er glau-
be, die Politik sei nicht mehr in der Lage, das Projekt zu realisieren.
Die Verzögerung des Privatisierungsverfahrens durch viele Pannen
habe dem Großflughafen „den Todesstoß“ versetzt. Nach Angaben der
Wirtschaftswoche habe Krieger vor Mitarbeitern gesagt: „Es ist eine Ka-
tastrophe für Berlin und Brandenburg, aber die Politik wird es nicht <
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hinkriegen.“ Der BBF-Manager geht demnach davon aus, dass eine
Eröffnung des Großflughafens bis 2007 nicht mehr machbar sei. Bei
einer Verzögerung verliere Berlin aber seine Funktion als Drehkreuz.
Damit sei das Projekt nicht mehr rentabel. „Die Airlines brauchen Pla-
nungssicherheit“, sagte der ehemalige VEBA-Manager dem Tagesspie-
gel. Durch andere Flughäfen gebe es hohen Konkurrenzdruck. Krieger
hatte intern dafür plädiert, Berlin und Brandenburg sollten sich von
dem Großprojekt verabschieden und stattdessen die defizitären Flug-
häfen Schönefeld und Tempelhof schließen. Tegel könne dann eine
Zubringerfunktion zu anderen großen Drehkreuzen übernehmen…
Nach Informationen aus der Flughafen-Holding sind mittlerweile viele
BBF-Mitarbeiter durch die Entwicklung frustriert. „Das Flughafenpro-
jekt ist natürlich nicht gescheitert“, sagte ein sichtlich genervter Stolpe
gestern dem Tagesspiegel. In Potsdam fügte Stolpe hinzu: „Der Groß-
flughafen wird kommen, da sind wir uns mit den Mitgesellschaftern
einig.“ Auch Diepgen bekräftigte, es bleibe bei dem geplanten Airport
„Berlin Brandenburg International“. Auch sei 2007 als Eröffnungsjahr
nach wie vor erreichbar“ (Tagesspiegel vom 15.9.1999).
Seit Jahren KOMMT der BBI weil er KOMMEN muss, während
Andere dafür GEHEN müssen, wenn sie fachlich berechtigte Miss-
stände kritisieren!
Natürlich hatte Herr Krieger Recht! Die Privatisierung scheiterte
und der Zeitplan wurde nach dem jetzigen Stand wieder einmal um
vier Jahre gegenüber 2007 verfehlt! Und natürlich wieder die neuro-
tisch reflexartige Verlautbarung, dass es wie immer bei den Eröffnungs-
terminen bleibe und dass der BBI „komme“, weil man sich unter den
Mitgesellschaftern „einig“ sei. Einigkeit macht natürlich stark! Die Fra-
ge ist aber, wie und wann er „kommt“! Die Frage nach dem „Wie“ ist
ausgesprochen stringent mit der Frage nach dem „Wann“ verknüpft!
Die Chipfabrik ist auch gekommen und die Cargolifterhalle mutierte
zum heutigen dauerhaft hoch subventionierten Tropical Island!
Auch unter Lemmingen herrscht Einigkeit. Deshalb besteht die
Logik des hiesigen politischen Systems darin, kritische Stimme aus-
zuschalten, damit die Wahrheit erst gar nicht ans Licht kommt, wenn
Fehler gemacht wurden oder die Kette von Fehlern nicht mehr rück-
gängig zu machen ist.
Die Deutsche Bank verwies in einem mir vorliegenden Schreiben
vom 5. November 2003 ebenso auf diesen Skandal. Es ist die Antwort
auf ein Schreiben an einen unbekannten Empfänger, da Adressat sowie
Absender geschwärzt sind: denn Vorsicht ist geboten!
„… vielen Dank für Ihren Brief vom 29. Oktober diesen Jahres.
Zum Thema Flughafen noch folgender Standpunkt:
- Mit der Deutschen Bank hat das alles nichts zu tun. Wir sind an
der Finanzierung nicht beteiligt, zumal auch viele Fragen offen
sind.
- Wir hatten ein privatwirtschaftliches Projekt Sperenberg als
Drehkreuz fertig, an dem sich unter unserer Führung die Groß-
unternehmen Deutschlands, wie Siemens, Daimler, Lufthansa
und Großbanken beteiligt hätten. Bereits heute wären die ersten
Flugzeuge gelandet. Vorausgegangen war eine Analyse der 10
größten Drehscheiben hinsichtlich Aufwand/Nutzen, Beschäfti-
gung und Steueraufkommen. Nach der gescheiterten Länderehe
Berlin/Brandenburg wurde das Projekt durch Bund und Land
(Wissmann, Diepgen) aus politischen Gründen abgelehnt und
man entschied sich für Schönefeld. Brandenburg war da allein
zu schwach. Damit begann die Flickschusterei.
- Schönefeld kann kein Drehkreuz werden. Höchstens ein größe-
rer Flughafen. Auch eine Vernetzung in Berlin oder mit Leipzig
löst das Problem nicht, auch wenn man da noch vieles verbessern
könnte und sollte. Bereits heute ist diese Situation für die Region
ein Standortnachteil, der Arbeitsplätze und Steueraufkommen
kostet. Deshalb bin ich für schnelle Lösungen. Die nördliche
europäische Halbkugel wird ein Drehkreuz bekommen, aber
wahrscheinlich wohl nicht mehr Deutschland.“”