Soll Air Berlin den BER retten oder umgekehrt: Oder gehen beide unter?
Der hochspekulative UND kreditfinanzierte BER soll nun Air Berlin retten?
Oder vielleicht umgekehrt Air Berlin den BER? Oder wollen sie sich gegenseitig retten?
Wie auch immer, die Rechnung wird so nicht aufgehen! Fakt ist, dass Lufthansa ihr eigenes Personal auf dem BER nicht einsetzen kann/will damit für Lufthansa da noch etwas hängen bleibt. Deshalb sollen Billigarbeitskräfte als Leihpersonal für die tolle Jobmaschine angeheuert werden, um Verluste zu vermeiden (siehe dazu Artikel unten).
Das Gleiche gilt für das technische Servicepersonal, welches nicht nur von Berlin- Nord (Tegel) nach Berlin-Süd (zur sogenannten Jobmaschine nach Schönefeld) umzieht, sondern auch noch das Tarifgebiet von Berlin-West nach Berlin-Ost wechseln muss und dadurch erhebliche Lohneinbußen in Höhe eines Gehalts pro Jahr hinnehmen würde.
Damit sich der ganze Flugbetrieb auf dem viel zu teuren Billiglohn- und Billigfliegergroßflughafen in dem Beton- und Glasgehäuse eines Luxusflughafens überhaupt noch rentiert muss also das Personal in der Luft und am Boden massiv ausgepresst werden bis der Beton bröckelt. Sonst rechnet sich das Ganze nicht. Deshalb werden auch noch hunderttausende BER-Anwohner eiskalt für einen expansiven Nachtflug geopfert, damit die Billigairlines ihre Umläufe optimieren können, während deren Kunden dann in der Nacht zum BER gekarrt werden müssen.
Die Frage ist also auch, was unter diesen Bedingungen an der FBS und bei Air Berlin überhaupt hängen bleibt, die einerseits Passagierwachstumrekordmeister der deutschen Flughäfen ist (die FBS) und andererseits Air Berlin beim Umsatzswachstum ebenfalls rekordverdächtig zu sein scheint. Die FBS wird dabei dauerhaft subventioniert während Air Berlin den Umsatz in den letzten 5 Jahren zwar mehr als verdoppelte und trotzdem derartige Verluste einflog, dass sie nun über eine Wandelanleihe am Kapitalmarkt zu einem hohen Preis (11,5 % Zinsen) Kapital in Höhe von 100 Mio. € beschaffen musste und das Eigenkapital wegschmolz wie der Schnee in der Frühlingssonne (ich berichtete bereits dazu).
Will der Mehdorn nun auch an der Sicherheit im Luftverkehr sparen wie bei der DB-AG, die er an die Börse bringen wollte und dabei jämmerlich scheiterte?
Während also Air Berlin teures Kapital aufnehmen muss, um aus ihren tiefroten Zahlen herauszukommen, hat sich die FBS mit üppigen Krediten in Höhe von 2,4 Mrd. € hoffnungslos verschuldet und wird den Schuldendienst für diese Kredite unter diesem Billigfliegersparregime niemals leisten können. Diese blinde Wachstumseuphorie ist jedoch der sichere Untergang des BER. Der unprivatisierbare BBI ist eben am falschen Standort, kam deshalb viel zu spät und ist daher völlig unwirtschaftlich. Nur eines ist dem BER sicher: die Verlustgarantie!
Und wie schrieb die MAZ am 30.09.2011 im Duktus meines Buches?
“Grünen-Fraktionschef Axel Vogel äußerte Sorge um das finanzielle Risiko für den Landeshaushalt. Für das Flughafenprojekt wird eine Gesamtinvestition von 2,4 Milliarden Euro veranschlagt. Nach seinen Angaben trägt das Land über seine Beteiligung von 37 Prozent am Stammkapital eine Bürgschaft von 888 Millionen Euro. „Wohl und Wehe des Flughafens haben damit unmittelbar auch Auswirkungen auf unseren Landeshaushalt“, sagte er. Vogel kritisierte, dass die Risiken allein dem Steuerzahler aufgehalst wurden, nachdem private Investoren sich an der angeblichen „Goldgrube“ Großflughafen nicht beteiligen wollten. Die absehbaren Einnahmen reichten nicht einmal aus, um die Kredite zu bedienen, sagte er”. (gel/dpa) (Hervorhebung von F.W.)
Das passt dann auch sehr gut zu dem folgenden Gleichnis von Schildkröte und Skorpion:
Es gab einmal einen Skorpion, der ein sehr schlechter Schwimmer war. Da fragte er eines Tages eine Schildkröte, ob sie ihn auf ihrem Rücken über einen Fluss befördern könnte.
“Bist du verrückt?”, rief die Schildkröte, ”Du wirst mich stechen, während ich schwimme und dann werde ich ertrinken.”
“Liebe Schildkröte,” lachte der Skorpion, ”wenn ich dich stechen würde und du ertrinkst, würde ich auch untergehen. Nun, wo wäre da die Logik?”
“Du hast Recht!”, ließ sich die Schildkröte schnell überzeugen . “Kletter hinauf!”
Der Skorpion kletterte auf die Schildkröte und auf dem halben Weg über den Fluss gab er der Schildkröte tatsächlich den befürchteten tödlichen Stich. Bevor sie auf den Grund des Flusses sanken, fragte die Schildkröte den Skorpion noch völlig verständnislos:
“Warum hast Du das getan? Du sagtest doch, es gäbe keine Logik, wenn du mich stichst?
“Es hat nichts mit der Logik zu tun,” antwortete der panisch ertrinkende Skorpion, ”so ist mein Charakter.”
Wachstum um jeden Preis hat auch nichts mit Logik zu tun und hat weder bei Air Berlin noch bei der FBS funktioniert: Die Folgen sind verheerend und der Fluss ist viel zu breit. Wer auch immer wen trägt.
30.10.2011 – 10:01 Lufthansa-Kabinenpersonal verweigert Zugeständnisse Berlin - Mit Eröffnung des neuen Airports in Schönefeld will der Lufthansa-Konzern sein Hauptstadt-Angebot vom kommenden Sommer an deutlich ausweiten, wohingegen die Kabinenbeschäftigten Zugeständnisse beim Lohn und der Arbeitszeit machen sollten, dies aber verweigerten. Das berichtet der “Spiegel” in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Anders, argumentiert die Unternehmensführung, seien in Berlin angesichts des starken Preisdrucks kaum Gewinne zu erwirtschaften. Nachdem sich Geschäftsleitung und Vertreter der Gewerkschaft UFO allein im September neunmal zu Gesprächen getroffen hatten, schien eine Einigung greifbar nahe. Unter anderem sollten die Bordangestellten auf Überstundenzuschläge und freie Tage verzichten. Doch am 12. Oktober platzte der mühsam ausgehandelte Kompromiss überraschend wegen interner Querelen bei der UFO. Der Lufthansa-Vorstand erwägt nun, Berlin-Reisende künftig während des Flugs nicht mehr von eigenen Mitarbeitern, sondern von angeheuerten Leiharbeitskräften betreuen zu lassen.
© dts Nachrichtenagentur