Die Suche nach den großflughafenadäquaten BER-Kunden scheint nun endgültig zu scheitern. Jetzt hat die von der Lufthansa vorgestellte Berlin-Strategie „Zukunft Berlin“ nochmals bestätigt, dass „ein Drehkreuz aber (die) Lufthansa am BER nicht (plane). Denn ihren Umsteigeverkehr hat die Kranich-Linie längst in Frankfurt und München aufgebaut“ (siehe Artikel unten). Nachdem die Berliner „Politikelite“ immer wieder große Hoffnung und händeringend auf die Strategie der Lufthansa setzte muss diese Offenbarung für die „Erfinder“ und Erbauer eines spekulativen und mit Kredit finanzierten Drehkreuzgroßflughafens am Standort Schönefeld mehr als ernüchternd sein.
Man setzt seitens der Lufthansa wahrscheinlich nun auf Billigflieger, um Air Berlin auf dem BER nicht kampflos das (schöne)Feld in Schönefeld zu überlassen. Natürlich, wie in meinem Buch beschrieben, wird es auch vielleicht den einen oder anderen Interkontinentalflug auf diesem monströsen Betonbauwerk geben, aber das ist wahrhaftig nicht der Anker, um den BBI vor dem wirtschaftlichen Abdriften zu retten, der mit seiner teuer steuergeldsubventionierten Billigfliegerdominanz nun wirtschaftlich völlig überfordert sein wird. Kein Schnäppchen mit der Lufthansa gemacht, gerade mal ein Häppchen vielleicht, falls da ein Interkontiflug von der Lufthansa tatsächlich kommt.
Hier ein passendes Zitat aus meinem Buch:
„Durch diesen künftigen Status des BBI als LCC-Standort bei einem weitgehenden Nachtflugverbot und durch die schlechte wirtschaftliche Situation Berlins und Brandenburgs wird der BBI auch kein signifikantes Wachstum an Interkontinentalverbindungen generieren“ (Seite 38).
2. Die andere große, aber auch völlig überdehnte Hoffnung auf den großen Drehkreuzeinstieg Air Berlins, darf ebenso bezweifelt werden: Denn dieser Berlin/Brandenburger Herzeigeairlines für den BER geht es seit einiger Zeit richtig schlecht.
Vor allem deshalb, weil sie sich in der Vergangenheit schon öfters durch eine „bedingungslose Expansion“ völlig übernommen hatte und daran heute immer noch laboriert. Trotz aller optimistischen Ankündigungen und trotz bisheriger Konjunktur, die sich nun zumindest stark einzutrüben beginnt, kam sie nicht aus der Verlustzone heraus, ist der Begriff Dividende für die Aktionäre ein Fremdwort geworden und die herabgestufte Aktie dümpelt seit Jahren jämmerlich vor sich hin. Auch kurz vor der geplanten BBI-Eröffnung und dem geplanten Beitritt zu Oneworld geht der Airlines, die auf N 24 immer fleißig das Wetter präsentiert, das Geld und Eigenkapital aus. Mit dem „neuen Copiloten“ an der Spitze von Air Berlin kann es also auch zu einem Strategiewechsel kommen, während die Tage von Air Berlin Gründer Hunold gezählt zu sein scheinen. Stellt sich die Frage, ob sich Air Berlin auf dem maroden BBI noch mal mit vielen Interkontinentalflügen übernehmen möchte. Sollte aber Lufthansa bzw. ihre Billigfliegertochter Germanwings Air Berlin auf dem viel zu teuren BER herausfordern, dann werden die dort hart konkurrieren. Zwar belebt Konkurrenz bekanntermaßen das Geschäft, aber genau das trifft auf dem BBI nicht zu, der alles andere als Billigfliegerpassagiere gebrauchen kann, sondern Umsteiger und Langstreckenflüge.
3. Als wenn das noch nicht genug mit den intrasystemischen Verwerfungen auf dem BER wäre, droht nun offensichtlich dem nicht konkurrenzfähigen BBI auch noch ein exterritoriales Ungemach: Nämlich aus Sachsen vom Flughafen Leipzig–Halle, den die Berliner Posemuckelpolitik auch zu gerne verboten hätte, um für den BBI eine künstliche Monopolstellung in Ostdeutschland sicherzustellen. Denn nun will Ryanair von Leipzig-Halle den Flugbetrieb aufnehmen, um den sondergebührfinanzierten BER die Kunden abzusaugen, nachdem sich Ryanair von Cochstedt abgewandt hat (zumindest zunächst erstmal beim kommenden Winterflugplan). Im Vergleich zum BBI wird auf diese Weise eine sehr preiswerte und gut erreichbare Alternative zum BBI angeboten, indem es „von Leipzig/Halle …..ab November pro Woche sieben Verbindungen nach London und drei nach Rom geben“ wird.
Und welche Taktik verfolgt Ryanair dabei?
„In der Entscheidung, künftig auch vom Flughafen Leipzig/Halle zu starten, sieht der Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg einen “Strategiewechsel” der irischen Billiglinie. So werde für Ryanair mit dem Ausbau von Schönefeld der Berliner Standort teurer. Als attraktive Alternative sei damit Leipzig/Halle ins Spiel gekommen. Dorthin könnten auch Passagiere aus Berlin und Potsdam anreisen, wenn sie weiter billig mit Ryanair fliegen wollen.“
Hier der Link!
So ist das also: Lauter Strategiewechsel im verregneten Sommerloch, aber es war schon immer klar vorgezeichnet wie sich das Desaster auf dem BBI in etwa abspulen wird. Mit Verlaub gesagt, keine gute Konstellation am Himmel über Berlin für die BBI-Lobby, der seit einiger Zeit höchstens auf dem politischen Flugroutenbasar hart umgekämpft ist. Und damit zerbröseln die erhofften Säulen für die ausufernden, realitätsfernen BBI-Drehkreuzpläne allmählich zu Staub. Keine tollen Perspektiven für den BER also, der schon vom ersten Tag an unter Kurzatmigkeit leiden wird: ganz abgesehen von den globalen Perspektiven, die jetzt vor dem offensichtlich kurz bevorstehenden Crash auch auf die Aktien durchlagen: Heute Nacht stürzte die Aktie von Air Berlin auf 2,77 € ( um 25 Cent) und innerhalb eines Jahres um 22,72 % bzw. in 5 Jahren um 72,27 % ab (Die Lufthansaaktie verlor jeweils um 4,95 % und 16,4 %).
Forderungen der BBI-Gesellschafter nach einer langfristigen, angemessenen Rendite sind dann natürlich völlig illusorisch. Hier noch ein entsprechendes Zitat aus meinem Buch:
„Was heißt langfristig, was angemessen? Und wie soll dies realisiert werden, denn mit der Inbetriebnahme des BBI werden die LCC nicht durch Interkontinentalflüge ersetzt? Sie verlagern eher ihr Geschäft auf günstigere Flughäfen und ziehen sich vom BBI zurück“ (S. 109). So wie Ryanair jetzt damit begonnen hat!
Allzu offenkundig wird damit der BBI-Skandal: Denn der BBI wurde nicht nur spekulativ erbaut (Drehkreuzträume), sondern ist darüber hinaus auch noch kreditfinanziert und entsprechend meines Buchtitels nichts anderes als „ein neuer Berliner Bankenskandal“! Wenn Sie mein Buch aus dem Jahr 2009 noch nicht kennen, lesen sie dort weiter! Steht alles drin, wie es kommt und weiter kommen wird.
Hier der Text zur der Berlinstrategie der Lufthanseaten:
Berliner Morgenpost vom 27. Juli 2011
„Flughafen BER: Lufthansa setzt in Berlin auf Billigflieger
Deutschlands größte Airline hat hinter verschlossenen Türen über seine Zukunftspläne in Berlin beraten. Ein Drehkreuz wird die Hauptstadt für die Lufthansa zwar nicht, dafür soll es aber mehr Billigflüge und mindestens eine Interkontinentalverbindung geben. Die Lufthansa will am neuen Flughafen in Schönefeld wachsen. Die Lufthansa wird mit Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld ihr Engagement in der Hauptstadt verstärken. Hinter verschlossenen Türen tagte dazu am Dienstag der Lufthansa-Vorstand in Frankfurt/M. Beraten wurde erstmals das Projekt „Zukunft Berlin“, das seit Monaten von Josef Bogdanski, einem der erfahrensten Lufthansa-Manager, erarbeitet worden ist. Dem Vernehmen nach will der Lufthansa-Konzern mindestens eine Interkontinentalverbindung am neuen Flughafen in Schönefeld einrichten und überdies das Billigfliegergeschäft voraussichtlich mit ihrer Tochter Germanwings in Berlin verstärken. Ziel ist es, dem Konkurrenten Air Berlin nicht völlig das Feld zu überlassen. Air Berlin hat im vergangenen Jahr und mit Blick auf den neuen BER in Schönefeld begonnen, Drehkreuzstrukturen in Berlin aufzubauen und bietet bereits acht Langstreckenverbindungen von Tegel an.
Langstrecke nach Asien im Gespräch
Mit der neuen Billigplattform, setzt nun auch Lufthansa auf die vielen Touristen, für die Berlin ein attraktives Ziel ist, das sie günstig mit Billigfliegern erreichen können. Im Mai hatte Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Christoph Franz auf der Hauptversammlung in Berlin angekündigt, „in Berlin stärker zu werden, als wir es heute sind“. Alle Möglichkeiten und Chancen für ein größeres Engagement würden in verschiedenen Szenarien geprüft. Eine Entscheidung kündigte er für diesen Sommer an. Doch die ist am Dienstag noch nicht endgültig gefallen. Ob die Lufthansa-Tochter Germanwings, die Berlin-Schönefeld im Bereich des Billigflieger-Segments seit 2003 anfliegt, ihr Engagement mit Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens verstärkt, die Marke geändert oder ein neuer Lufthansa-Ableger gegründet wird, ist dem Vernehmen nach noch nicht entschieden. Überdies, heißt es in Luftfahrtkreisen, will Deutschlands größte Airline auch einen „kleinen Knoten“ in Berlin aufbauen, um den Konkurrenten Air Berlin „flach zu halten“. Gemeint ist damit eine Interkontinentalstrecke – möglicherweise nach Asien – für die Passagiere zum Umsteigen nach Berlin geflogen werden würden. Im April hatte der Konzernbevollmächtigte der Lufthansa für Berlin, Thomas Kropp, in der Berliner Morgenpost bekannt gegeben, dass die Lufthansa die Rentabilität von Berlin-Asien-Strecken prüfe. Die geringere Entfernung von Berlin nach Asien nannte Kropp damals „zusätzliches Potenzial“, „das zur Langstrecke ausgebaut“ werden könnte. Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber wollte sich am Dienstag zum Projekt „Zukunft Berlin“ nicht äußern, obwohl die Kranich-Airline zuletzt am 21. Juni anlässlich des ersten Spatenstichs für den Wartungshangar am neuen BER „nähere Ergebnisse“ für diese Woche angekündigt hatte. Weber bestätigte am Dienstag nur, dass der Lufthansa-Vorstand in Frankfurt zum Thema „Zukunft Berlin“ getagt habe. „Es handelt sich aber noch um eine interne Angelegenheit im Vorstand. Nur ein sehr kleiner Kreis weiß davon. Das Projekt ist erstmals dem Vorstand vorgestellt worden. Es handelt sich um eine sehr komplexe Angelegenheit und einen noch laufenden Prozess“, sagte Weber. Ergebnisse würden derzeit nicht öffentlich gemacht.
Lufthansa plant kein Drehkreuz
Lange hat Berlin auf ein Signal der Lufthansa gewartet. Seit Jahren forderte der Senat die Kranich-Airline auf, ihr Engagement in der Hauptstadt zu verstärken. Doch Deutschlands größte Airline sah in Berlin keinen Markt für Interkontinentalstrecken und schon gar nicht für den Aufbau eines Drehkreuzes. Noch im vergangenen Jahr räumte der damalige Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber dem neuen Hauptstadtflughafen keine großen Chancen ein, ein Drehkreuz zu werden. Erst Anfang dieses Jahres mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Christoph Franz signalisierte die Lufthansa, mit Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER ihr Engagement zu verstärken. Franz rief das Projekt „Zukunft Berlin“ ins Leben und beauftragte den Lufthansa-Manager Bogdanski, Chancen, Möglichkeiten und ein Konzept für ein größeres Engagement der Lufthansa und ihrer acht Konzerngesellschaften sowie ihrer Star-Alliance-Partner in Berlin auszuloten. Ein Drehkreuz aber plant Lufthansa am BER nicht. Denn ihren Umsteigeverkehr hat die Kranich-Linie längst in Frankfurt und München aufgebaut. Der BER wird am 3. Juli 2012 eröffnet.“