Hier der Link zur IVG-Studie! (IVG wollte damals mit Hochtief ursprünglich in den BBI einsteigen…….)
Diese Studie ist an dieser Stelle deshalb so aufschlussreich, weil aus einer ganz anderen Perspektive sehr deutlich wird, dass Berlin bei dieser Bewertung nicht so besonders gut abschneidet: Das ist auf diesem Blog nichts neues, aber es ist ein anderer Zugang für die Bestätigung der Aussagen auf diesem Blog! Aber zur Studie:
Bei der Systematisierung der deutschen Flughafenlandschaft wird der künftige BER als Sekundärflughafen eingeordnet:
“Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Branden- burg (BER), der im Juni 2012 eröffnet, wird die Kriterien eines Sekundärflughafens erfüllen. Im Gegensatz zu den höher klassifizierten Airports weisen diese keine Drehkreuzfunktion auf, sie be- sitzen jedoch auch ein attraktives Einzugsgebiet. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die gute Anbindung an den europäischen Linienverkehr. Direktverbindungen im Interkontinentalverkehr oder zu anderen nationalen Sekundärflughäfen bestehen nur sehr wenige, meistens fungieren sie als Brücken/Zubringer zu größeren Hub-Flughäfen. Daher werden sie von Linienfluggesellschaften und Low-Cost-Carriern (LCC) in gleichem Maße geschätzt. Als weitere Sekundärflughäfen neben Berlin-Brandenburg gelten die Flughäfen Düssel-dorf, Hamburg, Köln/Bonn und Stuttgart (von Hirschhausen u. a., 2003)”. (Seite 1)
Also eine Einstufung, die den Bau dieser sündhaft teuren und überflüssigen (Süddeutsche Zeitung) Verlärmungsmaschine in und über dieser dicht besiedelten Region nicht einmal ansatzweise rechtfertigt. Aber überspringen wir die Einordnung der Tertiärflughäfen in dieser Systematik und wenden wir uns als nächstes der Definition von Quartärflughäfen zu:
“Als Quartärflughäfen werden vor allem ehemals militärisch genutzte Flughäfen sowie kleinere Regionalflughäfen bezeichnet. Sie werden hauptsächlich von Low-Cost-Carriern bedient, woraus sich eine starke Abhängigkeit vom LCC-Geschäft und den involvierten LCC-Carriern resultiert. Die Flughäfen Frankfurt-Hahn, Niederrhein, Lübeck, Karlsruhe, Zweibrücken sowie Rostock-Laage zählen z. B. zu den Quartärflughäfen .” (Seite 1)
Aha, was ist dann der BER, wenn in Berlin jetzt schon weit über 50 % an Billigfliegern herumfliegen und die Lufthansa nun dort auch noch eine Billigfliegerplattform installieren will, um den Billigflieger Air Berlin (Air Berlin ist ein tief in den roten Zahlen fliegender Hybrid, also nicht nur Billgiflieger), nicht konkurrenzlos das BER-Feld zu überlassen? Kundenseitig etwa ein Quartärflughafen?! Auch umsatzseitig ist das Berliner Fluggeschäft z.B. mit dem quartären Flughafen Hahn zu vergleichen. Wie in meinem Buch und auf diesem Blog mehrfach hervorgehoben, haben beide einen Umsatz pro Passgier in Höhe von nur ca. 11 Euro. Bei diesem gemeinsamen Merkmal ist es dann auch schon “fast egal”, dass Berlin- Schönefeld mit über 44 % Passagierwachstum seit 2005 das höchste Wachstum in Deutschland dank massiver Subventionen aufweist: gefolgt von Tegel mit 30 %! Falsch: nicht “fast egal”! Denn je mehr von diesen “defizitären” Passagieren befördert werden, umso größer dann die Verluste beim künftigen BER-Betrieb! Bereits jetzt gleichen sich auch hier die FBS und der Flughafen Hahn: Der Flughafen Hahn fliegt dauerhaft in den roten Zahlen und die FBS würde es ohne Subventionen auch tun oder bereits Pleite sein.
Bezogen auf die Luftfracht sieht es bei den beiden Berliner Flughäfen entgegen aller Erwartungen wieder etwas anders aus: Tegel hat seit 2005 ein Wachstum um 44 % zu verzeichnen, während Schönefeld bei der Fracht um 35 % schrumpfte!!! D.h. auf dem Flughafen Schönefeld, wo es KEIN Nachtflugverbot gibt ist die Fracht in diesem beeindruckenden Ausmaße extrem geschrumpft. Ja, ja, die Fracht braucht die Nacht: heute schon gelacht!? Oder wird der Nachtflug, der ohnehin sehr kostenintensiv ist, gar nicht gebraucht. Denn für relativ wenige Nachtflüge muss immer ein großer Teil der Flughafeninfrastruktur vorgehalten werden. Egal, was in Berlin wo wächst oder schrumpft: Die Berliner Fracht ist insgesamt auf einem lächerlich geringen Niveau und stagniert im Prinzip seit 1990 auf diesem Niveau. In Berlin ist bei der Fracht seit 20 Jahren Eiszeit angesagt. Das spricht natürlich Bände. Und daran wird sich auch nicht mehr viel ändern, ausser dass es noch weiter abwärts geht. Interessant ist auch, dass dagegen die Fracht in Leipzig-Halle um 5044 % nach oben explodiert ist. Naja, die hiesigen unfähigen Deppenstandortpolitiker haben sich eben jahrzehntelang mit Vehemenz an den falschen Standort geklammert: sonst wäre DHL in Sperenberg und nicht in Leipzig gelandet! Dafür wird jetzt rumgejammert oder gedroht, weil sich die Lufthansa nicht mit einem Drehkreuz auf dem neuen “Superflughafen” engagieren will.
Interessant ist auch das Thema Subventionen in der Studie, wonach in den Flughafen Schönefeld hohe Subventionen geflossen sind (Hierzu die Graphik auf Seite 4). Insgesamt wird zu den Subventionen in Deutschland folgendes festgestellt:
“So fallen bei Großflughäfen 0,50 Euro pro Passagier an Subventionen an, bei kleinen Flughäfen liegt der Betrag bei etwa 9,20 Euro“.(siehe Seite 3 und Hervorhebung von F.W.)
Die äußerst interessante Frage ist hierbei allerdings, was dann bei dem BBI an Subventionen investiv geflossen ist und dann in den BER-Betrieb reingepumpt werden müsste, damit er nicht abnippelt, der
- zwar betonseitig ein Primärflughafen sein könnte (er soll ja nach FBS-Chef Schwarz kurzfristig bedeutende europäische Hubs ablösen),
- passagierseitig ein Sekundärflughafen ist,
- aber mit seiner Billigfliegerdominanz umsatzseitig und betriebswirtschaftlich mit einem Quartärflughafen vergleichbar ist (also um 3 bis 2 Stufen niedriger liegt).
Wie in meinem Buch und Blog geschrieben, liegt der Berliner Umsatz je Passagier bei 11 Euro. Jedoch müsste der Umsatz entschieden höher sein, um nicht Verluste auf dem BBI einzufliegen:
Zitat aus meinem Buch auf Seite 104:
Das heißt bis zur Eröffnung des BBI (damals im Jahr 2009 innerhalb von 3 Jahren) ”müsste sich der Umsatz pro Passagier in Berlin mindestens verdoppelt oder zumindest auf 20 Euro pro Passagier katapultiert werden!”
Also er müsste von gegenwärtig 11 Euro um mindestens 9 Euro wachsen (siehe hierzu die obigen 9,20 Euro), was dem Minimum seines rechtswidrigen Subventionsbedarfes entsprechen dürfte, wenn das nicht gelingt. Und das ist die betriebswirtschaftliche Katastrophe des BER! Letztendlich nur um den Nachweis dieses Faktums habe ich das Buch “BBI – ein neuer Berliner Bankenskandal?” geschrieben. Der neue Bankenskandal besteht eben darin, dass dieser hochspekulative Flughafen sündhaft teuer über Banken kreditfinanziert ist und der betriebswirtschaftlich quartäre BER durch seinen dominierenden Billigflugbetrieb niemals diesen gigantischen Schuldendienst leisten können wird. Vor Eröffnung des BER wurde für die Low Cost Carrier geflogen, nach Eröffnung des BER für die Banken. Das dumme dabei ist, dass man die BilligfliegerDominanz nun nicht los wird. Aber subventionierbar ist der BBI als Flughafen der Kategorie A nach EU-Wettbewerbsrecht auch nicht……Also dieser teure Luxuskropf ist nicht nur überflüssig, sondern er wird nie aus eigener Kraft flüssig, liquid sein können. Und in jedem Fall für den Steuerzahler sehr, sehr teuer werden.