Nach dem massiven und wachsenden Protest gegen die verlogene Flughafenpolitik der Regierungen Berlins und Brandenburgs am vergangenen Sonntag in Schönefeld wird immer offensichtlicher was alle Demonstranten einigt: der tiefe Frust gegen einen manipulierten Planfeststellungsbeschluss durch Täuschungen und Betrug mit dem Ziel, den BBI am völlig ungeeigneten Standort Schönefeld salonfähig zu machen!
Alle durch die staatliche „Rosstäuscherei“ betrogenen Bürger, die allerdings noch glauben wollen, dass sie auf die leeren Flugroutenversprechen der Landesregierung bauen können, sitzen jedoch einem dramatischen Trugschluss auf: Wenn dann erst einmal „Willy Brandt“ eröffnet wurde, wird es prompt nach Konrad Adenauer heißen “Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“! Abgesehen davon, dass dann kein Baustopp mehr gefordert werden kann, gibt es hierfür eine ganze Palette von Begründungen, dass dann doch nach geltenden internationalen Flugsicherheitsstandards geflogen werden muss. Auch könnte schon eine gefährliche Annäherung zweier Flugzeuge genügen, dass jede Ausnahmeregelung plötzlich außer Kraft gesetzt wird.
Oder wenn eine neue Regierung an die Macht käme, kann man sich mit der Begründung darauf beziehen, dass das ja die Vorgängerregierung versprochen habe, also Schnee von gestern sei. Aber selbst wenn das nicht eintreten sollte, wird jede Regierung feststellen, dass es wohl nun nur noch darum gehen könne, dass der BBI wirtschaftlich arbeiten müsse, da der BBI mit seiner Eröffnung nur Verluste einfliegen wird (auf einigen meiner Blogtexte habe ich dieses Dilemma bereits umfassend dargestellt). Dann wird es seitens der Politik bestenfalls derartige „Zugeständnisse“ bezüglich eines weit gehenden Nachfluges entgegen des Bundesverwaltungsgerichtsurteils geben, wonach nur nachts zwischen 24 und 5 Uhr auf den unabhängigen Parallelbahnbetrieb verzichtet werden könne etc…. Damit wird ebenso klar, dass die Politik absolut kein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr will.
Alle diejenigen, die sich trotz dieser Untiefen vielleicht noch in Sicherheit wähnen, werden sich dann eines besseren belehren lassen müssen, wenn dann mit Eröffnung des BBI plötzlich die bisher verschwiegene Planung zum Bau einer 3. SLB aus der FBS-Schublade gezogen wird, wodurch sich dann der Fluglärmteppich auf ein gigantisches Ausmaß über Berlin und Umland ausbreiten würde: Flugrouten überall! Aber dann ist es für jeden Protest gegen den Bautopp zu spät. Die Flughafenlobby wird bis dahin mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, die BBI-Front durch deren Fragmentierung via Flugroutenausspielerei aufzuspalten.
Auch auf meinem Blog sollen entscheidende BBI-krtische Thesen meines Buches durch gezielte Verdrehungen diskreditiert werden. Ich möchte mich hier auf einen letzten Kommentar des Kommentators Markus Wöhler mit einem Zitat begnügen:
„Abgesehen davon haben Sie in Ihrem Buch und vielen Ihrer Artikel hier sehr eindringlich die Prognose abgegeben, dass die durch die FBS prognostizierten Passagierzahlen (und damit auch die Flugbewegungen) nie und nimmer eintreten können und dass BBI allein schon deswegen untergehen wird. Damit reihen Sie sich in die lange Reihe der Gegner, die regelmäßig den Bedarf anzweifeln, in dem sie behaupten, die prognostizierten Verkehre wären viel zu hoch…..“ (Kommentar vom 21.01.2011 zu meinem Blogtext mit dem Titel „Das Flugroutengefeilsche wie auf einem Basar verhindert auch nicht die Verlärmung ganzer und großer Regionen Brandenburgs und Berlins: Deshalb BBI-Baustopp sofort!“ vom 20.01.2011).
Zur Richtigstellung: Das soll ich in meinem Buch geschrieben haben, was im Jahr 2009 erschien, als die im Planfeststellungsbeschluss verankerten Passagierprognosen durch das Passagierwachstum tatsächlich bestätigt wurden? Absurder geht es nicht. Alleine schon deshalb habe ich niemals gesagt oder irgendwo auch nur einmal geschrieben, dass der BBI deshalb „untergehen wird“, weil die von der FBS prognostizierten Passagierzahlen nicht eintreten würden. Der hier dargestellte Sachverhalt ist deshalb eine geschickte Verdrehung der Tatsachen in Analogie zum Subventionstrick der Flughafenpolitik mit den Billigairlines. Immer wieder habe ich nachgewiesen, dass das hiesige Passagierwachstum auf Kosten der Rentabilität und des FBS-Umsatzes infolge üppiger und rechtswidriger Subventionen zur Ankurbelung des Billigairlineswachstums erkauft wurde. Meine Kritik ist deshalb immer wieder, dass gerade deshalb die Passagierprognose der damaligen BBF (das war übrigens nicht die Prognose der FBS, sondern der BBF) allerdings rein quantitativ aufgegangen ist. Und deshalb werden am BBI als Großflughafen, der als Drehkreuzflughafen prognostiziert, geplant und gebaut wurde, dummerweise die Billigairlines dominieren, die aus Gründen der Wirtschaftlichkeit z.B. vom Flughafen Frankfurt a. M. extra nach Hahn ausgelagert wurden (der übrigens seit seinem Bestehen rote Zahlen schreibt). Diese Kernaussage ist in meinem Buch auf Seite 25 bis 43 sehr umfassend dargestellt. Ohne die Aufdeckung dieses von der Politik gut getarnten, aber fatalen Zusammenhangs hätte ich wahrscheinlich auch gar nicht mein Buch geschrieben.
Die obige Behauptung des Kommentators ist deshalb schon eine Unverfrorenheit, weil der Kommentator mein Buch gelesen hat und sich auf meinem Blog als ausgesprochen eifriger Schreiber bestens auskennt. Mit anderen Worten, er weiß ganz genau, dass er hier etwas (in wessen Auftrag auch immer) bewusst verdreht. Allerdings habe ich in meinem Buch die vielen hyperoptimistischen Passagierprognosen von Anfang 1990 mit dem Prognosehorizont für 2010 recherchiert und ausgewertet: Da lagen die Prognosen z.B. der Lufthansa und der Prognos AG zwischen 40 und 45 Mio. Passagieren pro Jahr für das Jahr 2010. Es gab noch schlimmere Verrisse und alle Prognosen lagen komplett falsch. Erst recht bei der Frachtprognose der Lufthansa, die heute nur bei 3 % des prognostizierten Frachtumschlages liegt! Aber das waren keine Prognosen der BBF oder FBS. Die BBF hat sie nur zur Basis für die Begründung eines künftig boomenden BBI gemacht.
Wahr ist weiterhin, und darüber schreibt der Kommentator lieber auch nichts, dass selbst die Planfeststellungsfrachtprognose der BBF für den Planfeststellungsantrag aus dem Jahr 2000, wonach der Frachtumschlag überproportional wachsen soll, mit fatalen Auswirkungen für den BBI völlig daneben liegt, da der Frachtumschlag auf dem Niveau von 1990 stagniert und gerade mal 10 % des Frachtumschlages der Planfeststellungsprognose für 2010 erfüllt.
Durch die Unfähigkeit der Politikelite, die damals wie heute verbissen am hochproblematischen Standort festhält, ist die Fracht irreversibel weg, nämlich in Leipzig. Und in Berlin kann dafür bestenfalls nur ein marginales Frachtaufkommen generiert werden. Dafür haben wir jetzt aber die Billigfliegerdominanz, die auf einem derartigen Großflughafen in dieser Konzentration nun wirklich nichts zu suchen hat, wodurch auf gar keinen Fall die Umsätze eingeflogen werden können, die den BBI am Leben erhalten.
In diesem Zusammenhang wurde durch die FBS in anbetracht dieser dramatischen und erkannten Problemlage vor einigen Jahren angekündigt, dass nun die Umsätze schneller wachsen sollen als das Passagierwachstum: Allerdings ist nachweislich auch danach das Gegenteil eingetreten, da diese Umsätze pro Passagier jetzt nur noch bei mageren 11,36 € liegen, während der durchschnittliche Umsatz der deutschen Verkehrsflughäfen 26 € pro Passgier beträgt. Das ist die Wahrheit über den BBI, die es seitens der Politik zu vertuschen gilt. Und genau das will mein Blog und mein Buch mit dem Titel „BBI – ein neuer Berliner Bankenskandal“ offen legen: Die Spekulation in einen BBI, der betriebswirtschaftlicher Schrott ist und den die Privatwirtschaft deshalb nicht einmal geschenkt nehmen würde. Warum ist sonst die Privatisierung der BBF zum Bau und Betrieb des BBI geschei
tert und warum ist die Privatisierung des BBI auch nach dessen Eröffnung vom Tisch? Wohl nicht zu letzt wegen des für den BBI völlig ungeeigneten Standortes Schönefeld, an dem die Politik über Jahre die Flugrouten gegenüber den Bürgern verheimlichen muss!