Wenn sich FBS-Chef Schwarz mal freut, nicht nur zu den Flugrouten Rede und Antwort stehen zu müssen, so geht mir das auch so: Endlich wieder mal ein anderes Thema, das sich allerdings auch wieder den Täuschungen zum BBI widmen muss. Aber dieses Mal geht es um die Äußerungen von FBS-Chef Schwarz, welcher der Presse am 21.10. bei der Verkündung des Vermietungserfolgs der Gewerbeflächen für das Non-Aviation-Geschäft auf dem BBI etwas suggerierte, was nicht der Realität entspricht.
Die MAZ und das ND berichteten am 22.10, dass Schwarz u.a. stolz verkündete, dass bereits 33 % des Umsatzes der Berliner Flughäfen aus dem Non-Aviation-Geschäft generiert wird. Hierzu dazu das ND, das Herrn Schwarz mit seiner euphorischen Ankündigung wiedergibt:
„Mit BBI wolle man auch im Non-Aviation-Segment, wie das Einkaufen und Konsumieren in Flughäfen genannt wird, in die Top Ten der europäischen Airports aufsteigen“
Die MAZ lässt Schwarz in das gleiche Horn blasen:
„Ziel der Betreiber ist es, bei der Eröffnung im Jahr 2012 fast jeden zweiten Euro (47 Prozent) des Gesamtumsatzes mit dem so genannten „Non-Aviation“- Angebot einzufahren – auch, um auf diese Weise die Gebühren für die Fluggesellschaften möglichst niedrig zu halten.* Das Ziel ist ambitioniert: Bislang liegt der Anteil von Gastronomie und Verkauf am Umsatz an den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld bei 33 Prozent“.
Fast jeden zweiten Euro im Jahr 2012? Zur Zeit liegt der Wert bei 33 % ? Zur Richtigstellung: Schwarz täuscht die Öffentlichkeit bei diesem Thema unentwegt (schon öfters verwies ich in meinem Blog und in meinem Buch darauf), worauf ich in diesem Blogtext wieder aufmerksam möchte:
Wenn im Geschäftsbericht der FBS (in der Tabelle auf Seite 65 in der 2. Zeile) nachzulesen ist, dass die Umsätze aus Non-Aviation im Jahr 2009 bei 41,6 Mio. € und die mickrigen Gesamtumsätze der FBS lediglich bei 243,9 Mio. € lagen, dann ist es relativ einfach den ersten Wert durch den zweiten Wert zu dividieren, um den oben definierten Anteil des Non-Aviation-Umsatzes zu ermitteln. Was Herr Schwarz offensichtlich noch nicht weiß, vorausgesetzt er kennt seinen Geschäftsbericht nicht, ist, dass dann ein Wert in Höhe von 17 % herauskommt. Im Übrigen sanken die Non-Aviation-Umsätze gegenüber dem Vorjahr von 46 Mio. € auf diese 41,6 Mio. €: Damit sank dieser Wert auf 90 % des Vorjahres. Aber darum geht es hier nicht.
Hier geht es um gleich mehrere Schlussfolgerungen, die sich aus dem Zahlensalat von Schwarz ergeben:
Erstens: Schwarz täuscht die Öffentlichkeit in ähnlicher Manier wie es bei den Flugrouten getan wurde: also gezielt und vorsätzlich. Oder er kennt seine Geschäftsberichte nicht. Letzteres ist unwahrscheinlich.
Zweitens: Die Schwarzsche Ankündigung, dass knapp 50 % der BBI-Umsätze aus dem Non-Aviation-Geschäft entstehen sollen, wird natürlich bei weitem und definitiv nicht realisiert werden, weil in Berlin die Billigairlines dominieren. Dieses Ziel wird erst recht nicht im übernächsten Jahr, also im (neuen) BBI-Eröffnungsjahr erreicht. Der BBI wird diesbezüglich nicht international, sondern eher provinziell sein. Hier bietet sich ein schöner Vergleich mit dem Flughafen Düsseldorf International an. Der Flughafen Düsseldorf realisierte im Jahr 2009 einen Non-Aviation-Umsatz in Höhe von 101,1 Mio. €. Und das geschah mit deutlich weniger Passagieren, also mit nur 17,8 Mio. Passagieren, mit denen ein mehr als doppelt so hoher Non-Aviation-Umsatz realisiert wurde: Die Konsequenz im Vergleich zu Berlin: In Düsseldorf werden 5,6 € pro Passagier umgesetzt, in Berlin sind es gerade einmal 1,98 € pro Passagier. Hierzu zählt auch die Benutzung der Berliner Flughafenpachttoilette dazu, ich glaube in Höhe von 50 Cent.
Machen wir die Probe: Während die Berliner Flughäfen im Jahr 2009 mit 21 Mio. Passagieren 243 Mio. € umsetzten, realisierte der Flughafen Düsseldorf mit seinen 17,8 Mio. Passagieren 393 Mio. €! Wenn ich immer von mickrigen Umsätzen in Berlin rede, dann ist das hier ablesbar: In Düsseldorf werden insgesamt 22 € pro Passagier umgesetzt! In Berlin sind es nach wie vor fast nur die Hälfte: nämlich 11,57 € ! Dieser Wert ist infolge der rechtswidrigen Subventioniererei der Billigairlines entstanden. Berlin hat sein permanent stolz propagiertes Passagierwachstum sehr teuer erkauft, während der Umsatz pro Passagier dagegen seit 2002 von 15 € pro Passagier auf dieses dramatisch-lächerliches Niveau sank und seit einigen Jahren auf diesem Niveau stagniert. (Hier der Link zum Vergleich mit Düsseldorf für Herrn Schwarz, dort auf Seite 48 http://www.duesseldorf-international.de/_uploads/uploads/download_center/20_Geschaeftsbericht/dus_gb2009_web.pdf).
Auch die sonstigen Umsätze, also weder Aviation noch Non-Aviation, reißen dieses Berliner Defizit heraus: Im Gegenteil, denn in Berlin umfassen diese sonstigen Umsätze 15 %, die NOCH mit dem Bau des BBI und den Erlösen aus Grundstücksgeschäften für den BBI entstehen, während diese in Düsseldorf bei 10 % liegen.
Drittens: In dieser Konstellation sind auch nicht die Flughafengebühren für die am BBI dominierenden Billigairlines zu reduzieren, wie sich die MAZ widerspruchlos von Herrn Schwarz in den Notizblock diktieren ließ, da der Non-Aviation-Umsatz gegenwärtig nicht 33 %, sondern lediglich 17 % aufweist. Selbst die propagierten 33 % wären eine unrealistische Verdopplung des gegenwärtigen Non-Aviation-Umsatzes. Eine Verdopplung mit Eröffnung des BBI? Wie soll das gehen? Durch wen, wenn dann auch noch die Flughafengebühren dramatisch steigen sollen?
Davon kann also nichts übrig bleiben, um die angekündigt hohen Flughafengebühren mit den kläglichen Non-Aviation-Umsätzen zu dämpfen. Da ist nur eine enorme Lücke bei den Gesamtumsätzen, die eigentlich doppelt so hoch sein müssten. Viel Spaß also beim Non-Aviation-Geschäft, wenn sich die Flughafengebühren erheblich erhöhen, weil eben der BBI-Betrieb viel zu teuer sein wird. Und die sollen sich auf durchschnittlich 26 € pro Passagier auf dem BBI erhöhen, während der gegenwärtige Umsatz pro Passagier bei diesen 11,59 € liegt! Die Lücke zeigt damit auch die Zwickmühle, in welcher der BBI ab dem ersten Tag seiner Eröffnung stecken wird!
Viertens: Die Pressevertreter sollten sich mal regelmäßig die aktuellen Geschäftsberichte von den netten Damen der FBS zu schicken lassen und diese auch lesen, falls sie diese nicht bereits von der FBS in einem schicken Pressemäppchen geschickt bekommen haben oder falls sie diese verbummelt haben. Man kann sie auch bei der Pressestelle der FBS unter der Nummer 030 6091 2055 bestellen.
Es ist letztendlich peinlich, wenn ein Herr Schwarz so ein Zeug daherredet und diese vertuschenden Verzerrungen der Realität in den Zeitungen so abgedruckt werden.
In Analogie zur aktuellen Diskussion prophezeie ich ebenfalls einen Eklat wie bei dem Flugroutendesaster zu den fehlenden Umsätzen/Erlösen auf dem BBI, falls er irgendwann in Betrieb gehen sollte. Die entsprechenden Untersuchungsausschüsse sollten jetzt schon mal vorsorglich vorbereitet werden.
Fünftens: Wenn die Brandenburgische IHK nun ihrer Enttäuschung Ausdruck verleiht, dass die Brandenburger Unternehmen bei dem Zuschlag für das Non-Aviation-Geschäft bei der Vermietung von Ladenflächen etc. so gut wie leer ausgegangen sind, dann wundert es eben denjenigen nicht, der das Ammenmärchen von der „Jobmaschine“ noch nie geglaubt hat.
Hierbei ist aber die entstandene Relation sehr interessant: Nur ein Drittel der Zuschläge geht in die Region Berlin/Brandenburg, aber alleine die beiden Gesellschafter Berlin und Brandenburg halten jeweils einen Anteil von 37%, also insgesamt 74 % an der FBS. Immerhin
darf der Berliner und Brandenburger Steuerzahler damit Dreiviertel für die Kosten der Flopmaschine namens BBI aufkommen, während die Westdeutschen Unternehmen nach dem Einsatz der hiesigen Steuerzahler auf dem BBI den Reihbach machen wollen. Wenn es schief geht muss natürlich auch wieder der Steuerzahler von hier einspringen….
Aber während die BBI-Gläubigen weiter auf die „Jobmaschine“ warten gibt es ja doch ein Brandenburger Unternehmen aus dem Spreewald, um die Sauregurkenzeit im Brandenburgischen Schönefeld zu überbrücken: Gemeint ist, dass es sogar ein Ostprodukt, nämlich Spreewaldgurken auf dem BBI geben wird. Man kann sich nicht des Eindrucks entziehen, dass hier etwas mit den Ausschreibungen oder bei der Vergabe schief gelaufen ist: Weil nur Anfangsindizien vorliegen, möchte ich jetzt und hier noch nicht behaupten, dass dabei wieder etwas rechtswidriges, kriminelles abgelaufen ist: Aber einiges deutet darauf hin und es wäre auch nicht das erste Mal. Es wird sich zeigen….
Fast ausschließlich sollten also nicht zu letzt die Steuerzahler Brandenburgs dann auch noch den Fluglärm der Berliner abbekommen, die ja gegenwärtig zu fast 80 % die Flughäfen Tegel und Schönefeld nutzen (Brandenburger nur 12 %). Aber ganz plötzlich stellte sich „völlig unvermutet“ heraus, dass nun auch die Berliner im großen Stil verlärmt werden sollen. Das frei erfundene Märchen von der Jobmaschine BBI wird also immer mehr penetriert von einer ernüchternden, unendlichen Pleiten-Pech- und Pannengeschichte, die um ein weiteres Kapitel namens Flugroutendesaster „reicher“ geworden ist.