BBI – Büchse der Pandora? Und jeder neue BBI-Eröffnungstermin bescherte den Steuerzahlern noch mehr Kosten. Es gab viele Verschiebungen! (Teil 3)
3. Im Jahr 2009 lag der BBI-Schuldendienst bereits bei 200 Mio. EURO
In der Konzerkapitalflussrechnung für das Geschäftsjahr 2009 wurden im Cash Flow aus der Investitionstätigkeit Auszahlungen für die Tilgung von Krediten in Höhe von 200 Mio. EURO fällig. Das ist auf Seite 53 des Geschäftsberichtes nachlesbar.
Der Cash Flow ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die Manipulationen der Geschäftsleitung bezüglich der Ertragskraft eines Unternehmens zumindest eingrenzt und den in einer Periode aus eigener Kraft erwirtschafteten Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben widerspiegelt. In unserem Fall bzw. bei diesem Beispiel ist der Cash Flow ein Liquiditätsindikator, der die Kreditwürdigkeit und die Schuldentilgungskraft der FBS zum Ausdruck bringt. Schon nach der obigen Momentaufnahme ist sichtbar geworden, dass die FBS bei ihren geringen Umsätzen weder eine angemessene Schudentilgungskraft noch eine entsprechende Kreditwürdigkeit aufweist. Das bestätigt sich erst recht nach Analyse eines längeren Untersuchungszeitraumes in den Geschäftsberichten in der Kapitalflussrechnung. Dabei muss feststellt werden, dass von 2001 bis 2009 exakt 519.196.000 EURO für die Tilgung von Krediten aufgebracht wurden. Alleine im Jahr 2009 waren das 200 Mio. EURO! Bildet man ohne 2009 den Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2008 ergaben sich hierbei 39 Mio. EURO pro Jahr: Im Jahr 2009 war das mit 200 Mio. EURO das Fünffache. Dieser Dauerzustand muss in dieser Größenordnung (oder wahrscheinlich noch schlimmer) vor allem in den nächsten 10 Jahren von den Steuerzahlern jährlich aufgebracht werden. Denn in diesem Punkt müssen wir Herrn Schwarz im obigen Zitat in Teil 2 glauben. Unter den gegebenen Randbedingungen, die sich mit der Eröffnung des BBI auch noch verschlechtern dürften, werden einerseits keine Gewinne, sondern Verluste gemacht. Andererseits wird sich der jährliche Schuldendienst wohl auf weit über 100 Mio. EURO oder gar über 200 Mio. EURO einpegeln.
Inzwischen wird immer sichtbarer, dass das Land nicht ausreichend Geld mehr für die eigentlichen Aufgaben und Verpflichtungen der Daseinsvorsorge zur Verfügung hat und deshalb die Bezirke und Bürger weiter „totgespart“ werden müssen. Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man sich dem folgenden Punkt widmet!
4. Erdrückender Ausblick durch den Verbindlichkeitsspiegel
Alleine im Geschäftsjahr 2010 werden laut Verbindlichkeitsspiegel auf Seite 58 des neuen Geschäftsberichtes 324 Mio. EURO für die Schuldentilgung fällig. Da muss also noch fleißig umgeschuldet werden, sonst ist die FBS plötzlich gleich Pleite, da die Umsätze im Jahr 2009 unter 250 Mio. EURO sanken. Und wahrscheinlich werden die Umsätze auch in 2010 weiter sinken, zumindest kann Geschäftsführer Schwarz hierbei schon die „vulkanisierten“ Passagiere anführen, während er zum desolaten Situation der FBS lieber schweigen wird. Die Verluste sind damit also dauerhaft programmiert. Erst recht, wenn der BBI eröffnet und Tegel geschlossen wird.
5. Die Schulden- und Verlustmaschine schafft keine Arbeitsplätze
Der BBI als so genannte Jobmaschine, der demnächst derartige Verluste dauerhaft einfliegen wird, ist absurd. Eine Jobmaschine wäre eine Cashmaschine, mit der durch Wertschöpfung Geld verdient wird. Wenn das der Fall wäre hätte damals die Privatisierung der BBF bzw. später der FBS mit Sicherheit geklappt. Aber das scheint bei der FBS auch im folgenden Zusammenhang nicht der Fall zu sein. Bezüglich der Schaffung von Arbeitsplätzen müsste eigentlich davon ausgehen können, dass mit dem Baubeginn des größten europäischen Verkehrsprojektes Arbeitsplätze bei der FBS geschaffen worden sind. Jedoch ist seit dem Jahr 2006 die Anzahl der FBS-Mitarbeiter von 1510 auf 1399 geschrumpft. Losgehen wird die Jobkillerei erst richtig, wenn mit der BBI-Eröffnung Tegel als Flughafen geschlossen wird, der bei der FBS bis dahin tatsächlich Geld verdient hat.
Aber nicht nur die „Freisetzung“ von Mitarbeitern ist ein probates Mittel, um Kosten zu senken. Man kann genauso die Gebühren für die Airlines erhöhen, weil die Umsätze für den BBI viel zu gering sein werden! Und weil dann besonders die hier dominierenden Billigairlines abwandern müssten, wäre es „gut und billig“ auch gleich wieder Mitarbeiter freisetzen. Ein anderer Weg wäre z.B. die BBI-Eröffnungstermine weiterhin Jahresweise zu verschieben. Zumindest bis zum übernächsten Berliner Wahljahr in 2016, da dann vielleicht auch zu diesem Zeitpunkt die extrem verspätete Schienenanbindung des BBI fertig sein könnte, was ursprünglich zur Eröffnung des BBI der Fall sein sollte. Das würde natürlich in diesem Fall wieder miteinander harmonieren, wenn beide Verspätungsszenarien für 2016 synchronisiert werden.
Immer wieder wird mir von Kollegen berichtet, dass mein Buch und meine Recherchen aus Sicht der FBS jeder Grundlage entbehren und ich nicht seriös sei. Dem kann ich nur widersprechen. Mein Fokus lag immer auf den Gesamtplanungszeitraum für den BBI seit 1990. Es gab nicht nur „unendlich“ viele Verschiebungen der BBI-Eröffnung, sondern auch einen immensen Kostenaufwuchs für die Länder Berlin und Brandenburg. Infolge dieser jahrelangen Pleiten-Pech- und Pannenflughafenpolitik, klappten weder die Privatisierungsversuche der Flughafengesellschaft noch ist darstellbar, dass der BBI eine Jobmaschine ist und der BBI wirtschaftlich rentabel arbeiten wird. Alle meine Recherchen für mein Buch und den Blog sind eben deshalb seriös, weil sie immer auf Basis der Geschäftsberichte und Bilanzen der BBF/FBS geschrieben worden sind. Ich gehe davon aus, dass diese nicht frisiert sind. Sonst wäre alles noch viel schlimmer!
Durch die fatale Flughafenpolitik hat der BBI seine ursprünglichen Potentiale als damals machbares 2. Drehkreuz der Lufthansa in Deutschland eingebüßt, was nun München ist. Stattdessen kämpft man nun verbissen um einen weiteren Langstreckenflug für den BBI. Ebenso wenig wie man das Drehkreuz aus München zum BBI zurückholen kann, weil nun der BBI vielleicht im Jahr 2011 endlich mal fertig ist, trifft das auch für die Fracht zu: DHL in Leipzig ist ebenfalls für den BBI irreversibel verloren. Gerade das wären die beiden Säulen für den BBI gewesen! Und ohne dieses wirtschaftliche Fundament ist dieser „Internationale Großflughafen“ am falschen Standort und im falschen Jahrtausend auf Sand gebaut. Er hätte im Jahr 2000 eröffnet werden müssen, als sich Berlin damals für „Olympia 2000“ bewarb und Planer und Politiker beteuerten, dass der BBI ganz sicher mit dem Transrapid angebunden werden würde. Auch wenn das schon fast in Vergessenheit geraten ist.
Verdrängung ändert aber nichts an den Tatsachen.
Dazu lade ich Sie wieder morgen oder übermorgen in meinen Blog zu Teil 4 ein!