In eigener Sache: der BBI, das Buch und der Blog
Für einige Zeit pausiert nun mein Blog urlaubsbedingt bis zum 08. April. Aber es erscheint bereits nach Ostern ein Artikel von mir auf meiner Seite mit dem Titel „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Ein Ausblick zu den Folgen der skandalösen BBI-Planung seit 1990“ unter folgendem Link: http://www.grueneliga-berlin.de/?page_id=29: Also dann einfach anklicken!
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es an diesem Blog zu meinem Buch ein derartig großes Interesse gibt. Teilweise verdoppeln sich sogar die Zugriffe von Monat zu Monat. An dieser Stelle möchte ich Ihnen für Ihr Interesse danken, bleiben Sie mir treu und sagen Sie es weiter.
Noch einige Worte zum BBI! Als ich das Buch am 02.01.2008 in Binz auf Rügen zu schreiben begann, war alles noch sehr diffus: darin lag der Reiz! Denn damals war immer noch die Rede von einem Run auf die Jobmaschine, wo sich die Airlines kurz vor dessen Eröffnung die Klinke in die Hand geben würden. Anders herum gesagt, hätte bereits damals das Bundesministerium für Verkehr verlautbaren lassen (wie jetzt geschehen, mein Blog berichtete darüber), dass Langstreckenflüge vom BBI für den Luftverkehrsstandort Deutschland und damit für die deutsche Wirtschaft schädlich sind, weil sie die Luftdrehkreuze Frankfurt und München schwächen würden, hätte ich das Buch vielleicht nicht geschrieben. Es war damals mein Anliegen, den BBI-Propagandafeldzug zu widerlegen und die Unwirtschaftlichkeit des BBI nachzuweisen.
Nun ist ein Jahr vor der Eröffnung des BBI alles anders, wenn die Lufthansa offenbart, keine Langstreckenflüge vom BBI aufnehmen zu wollen. Auch Air Berlin, die in 2009 Verluste einflog, will und kann das nicht leisten, hat sogar Langstreckenflugzeuge abbestellt und konzentriert sich mehr auf die Kurz- und Mittelstrecke. Was bleibt also für den BBI außer die Feststellung, dass er eine Spekulation ist und für die in Berlin dominierenden Billigflieger überflüssig ist wie ein Kropf. Die LEG scheiterte auch wegen ihrer bilanziellen Manipulationen, die ich als ehemaliger Mitarbeiter und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der LEG vorhergesagt hatte. Die Analogie zum BBI besteht darin, dass bei der LEG auch alles solange gut ging, solange man die überbewerteten Immobilien nicht veräußerte. Spätestens wenn der BBI in Betrieb geht kommt das böse Erwachen. Hierzu ein Text aus meinem Buch zur Insolvenz der LEG.
„Die Insolvenz der LEG-Brandenburg und deren Auswirkungen
Ein weiterer Meilenstein der „erfolgreichen“ oder besser folgenreichen Politik Brandenburgs war die Liquidation der LEG, die kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1992 die Baufeld-Ost-Flächen für den künftigen BBI angekauft hatte.
Die Landesentwicklungsgesellschaft für Städtebau, Wohnen und Verkehr mbH war eine 100%ige Tochter des Landes Brandenburg und schickte sich immer mehr dazu an, projektadäquate Töchter zu gründen, so dass ein kleines Imperium mit einem undurchsichtigen, dschungelähnlichen Geflecht mysteriöser Transaktionen entstand. Die durch Fehlkalkulationen entstandenen Projektrisiken wurden einfach in die Töchter geschoben. In dieser Entwicklungsphase wurde die LEG immer weniger von der Landesregierung kontrolliert – und gleichzeitig immer weniger kontrollierbar. Zudem wurde sie gleichzeitig als Feuerwehr für die Landesregierung genutzt bzw. benutzt, wie z. B. bei der ebenfalls gescheiterten Industriestandortsicherung Premnitz, als eines der beiden „eigenwirtschaftlichen“ Projekte der LEG. Das andere
eigenwirtschaftliche Projekt war das Güterverkehrszentrum Freienbrink (GVZ), das permanent an Vermarktungsschwierigkeiten litt und nicht genug Geld in die LEG-Kasse spülte.
Ich selbst war seit 1993 für sieben Jahre Projektmitarbeiter oder -koordinator in der LEG. Zugleich war ich aber im Betriebsrat als langjähriger Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der LEG tätig. Meine Kritik an dem Geschäftsgebaren der LEG, die nach Auffassung unseres Wirtschaftsausschusses zwangsläufig zu roten Zahlen führen würde, sollte ich dann 1999 von der Geschäftsführung bitter zu spüren bekommen, als man mich zu diesem Zeitpunkt „los werden“ wollte. Eines meiner letzten Projekte bei der LEG war es zu analysieren, wie die stagnierende Vermarktungssituation beim GVZ Freienbrink zu ändern sei. Bei der Recherche wurden dabei zwei Dinge auffällig: Da die LEG immer mehr in eine bilanzielle
Schieflage kam, wurden die Grundstücke in den Bilanzen sowohl im Umlauf- und als auch im Anlagevermögen sukzessive höher bewertet. Das ging eine ganze Weile gut, jedoch deckte ich bei meinen Recherchen auf, dass verbreitet wurde, die Flächen des GVZ Freienbrink seien bis auf wenige Restflächen bereits vermarktet. Das entsprach nicht den Tatsachen, denn nur ca. 50 % der Flächen waren verkauft. Kein Wunder also, wenn die Nachfrage für „nicht vorhandene“ Flächen ausblieb. Das sollte auch nicht sein, denn dann wäre der systematische Bilanzschwindel mit den überbewerteten Grundstücken aufgeflogen, die zu diesem erhöhten Preis auf dem
Immobilenmarkt nicht mehr veräußerbar waren.
Aus politischer Sicht ging es nach der Äußerung eines LEG-Geschäftsführers vor der Landtagswahl im Jahr 1999 vor allem darum, auf keinen Fall eine rote Zahl im Geschäftsbericht zu produzieren, sondern die Regierung forderte von der LEG eine schwarze Null. Im Jahr 2000 brach die LEG unter der Last der Bilanzfälschung und der wirtschaftlichen Instabilität zusammen, ein Untersuchungsausschuss zur Ermittlung der Ursachen für dieses Fiasko wurde einberufen.
Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass es nach dem Willen von SPD und CDU keinen Abschlussbericht nach Beendigung des LEG-Untersuchungsausschusses geben sollte, weil sich beide Parteien nicht auf die Schuldfrage an der Pleite einigen konnten und keiner die politische Verantwortung übernehmen wollte. Die CDU behauptete, Ministerpräsident Stolpe sei verantwortlich und die SPD samt Stolpe gab zum Besten, die LEG-Geschäftsführung habe das Desaster verursacht. Dass beide Aussagen im Prinzip richtig sind, liegt auf der Hand! Denn die LEG-Geschäftsführung hat bei dieser Frage viel Dreck am Stecken und die Regierung hätte durch eine solide Kontrolle die LEG-Pleite verhindern können. Insofern ist die Schuldfrage eindeutig und dieser Koalitionsstreit wirkt wie inszeniert, um einen enthüllenden und peinlichen Abschlussbericht über das Scheitern der LEG zu vermeiden.
In der Zeit meiner LEG-Tätigkeit war mein erstes Projekt ein sehr umfangreiches und kostspieliges Gutachten im Auftrag des damaligen Landkreises Königs Wusterhausen zu koordinieren, um die Auswirkungen eines Zwischenausbaus von Schönefeld (Schönefeld Alt, ohne neue SLB) für 8 und 13 Mio. Passagiere zu ermitteln. Der Zwischenausbau hatte die Funktion, den wachsenden Berliner Flugverkehr bis zur Eröffnung von BBI (an einem bis dahin „offiziell“ noch unbekannten Standort) aufzunehmen.
Das Ergebnis dieser Studie namens „Regionales Strukturkonzept Umland Flughafen Schönefeld“ von 1994 war, dass ein Hochfahren von Schönefeld bis zu 13 Mio. Passagieren die gerade noch zumutbare Grenze für diese Region war. Erst recht wäre der BBI am Standort Schönefeld für die Region nicht erträglich (Seite 13). Da ich die Zusammenfassung für diese interdisziplinäre Studie erarbeitete, nahm man mir dieses Fazit sehr übel.
Offensichtlich war die LEG schon in ihrer Anfangsphase ein probates Instrument der Schönefeldfanatiker! Auch der BBI wurde spekulativ und permanent überbewertet, war ebenfalls nicht über die gescheiterte Privatisierung der BBF bzw. dann FBS zu verkaufen. Offensichtlich nicht einmal neue Langstreckenflüge sind auf dem BBI, der eigens dafür gebaut wird zu verkaufen. Denn wie das Bundesverkehrsministerium für Verkehr äußerte, sei das ein Schaden für den Luftverkehrsstandort Deutschland und damit für di
e deutsche Wirtschaft, wenn dadurch die Drehkreuze Frankfurt und München geschwächt werden würden“ (Seite 168 bis 171).