Der BBI kommt! Der Skandal ist aber schon da: Die Lufthansaabwatsche zum BBI-Skandal!
Wenn der BBI kommt, dann kommt auch der nächste Skandal für Berlin: er ist aber spätestens seit Baubeginn eigentlich schon da. Und spätestens mit der letzten Abwatsche durch die Lufthansa vorige Woche ist der staatliche BBI-Propagandafeldzug endgültig gescheitert. Lufthansachef Mayrhuber referierte vor der IHK Berlin und dämpfte nicht nur die Hoffnung für den BBI als Drehkreuz. Auch bezüglich der Langstreckenflüge schenkte er reinen Wein ein:
Berlins Großflughafen BBI (Eröffnung 2011) wird kein internationales Drehkreuz für die Deutsche Lufthansa. „Berlin ist keine Hauptstadt wie London oder Paris, aus der man einen weltweiten Luftverkehr entwickeln kann“, sagte Lufthansas Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber bei einem IHK-Besuch in der Hauptstadt. Zwar sei Berlin eine höchst attraktive Metropole, aber die Wirtschaft würde fehlen, alle Dax-Unternehmen seien abgewandert.
„Außerdem fehlt das Quellaufkommen in Berlin.“ Bedeutet: Es gibt hier zu wenig Passagiere für weltweite Flüge nach Asien oder Amerika. Die würden derzeit in Frankfurt oder München gebündelt, wo sich dadurch Fernflüge lohnen würden. „BBI muss erst wachsen, doch das wird lange dauern,“ so Mayrhuber (B.Z. 19. Januar 2010).
Er dämpfte also nicht nur die Hoffnung für den BBI, sondern übersetzt bedeutet das gleichzeitig, dass der BBI auch wirtschaftlich scheitern wird, weil er nicht für die Dominanz der Billigflugpassagiere und Zubringerflüge ausgelegt ist, die dann die Lufthansalangstreckenflüge z.B. von Fraport speisen werden.
Wenn das entsprechend erforderliche BBI-Wachstum noch „lange dauern“ wird, dann muss man allerdings hinzufügen, dass man in der heutigen Zeit schon lange nicht mehr lange warten kann. Und viel zu lange sind beim BBI die Dilettanten am Werk! Der BBI ist also nichts anderes als eine reine staatliche und politische Spekulation, dessen verheerenden Folgen nun immer deutlicher werden. Denn als Großflughafen ohne Fracht- und Langstreckenflüge sowie ohne Drehkreuz wurde er keinesfalls bei der Planfeststellungsbehörde als solches beantragt.
Natürlich folgten die reflexartigen Beschimpfungen aus der „Arm-Aber-Sexy-Metropole“. Oder es wurde wieder einmal der unverrückbare Glaube an das Wunschdrehkreuz zelebriert (Flughafengesellschaft glaubt das Drehkreuz BBI, Berliner Morgenpost vom 23.01.2010).
Aber es wiederholt sich alles in dieser unendlichen Pleiten-Pech- und Pannenstory des BBI: Als sich die Lufthansa vor bald 10 Jahren nicht vor den Berliner Karren spannen lassen wollte, wurde ihr gedroht, dass es Folgen für sie haben werde, wenn sie keinen Nonstopflug von Berlin in die USA einzurichten gedenke. Wäre die Lufthansa ein Berliner Landesunternehmen, dann wäre sie mit Sicherheit schon Pleite und müsste durch den Steuerzahler subventioniert werden.
Jetzt werden also nur noch Durchhalteparolen ausgegeben, wie „wir liegen trotz Frost im Zeitplan“, obwohl das eigentlich keinen wirklich interessiert, wenn man nicht vergessen hat, dass der BBI mindestens 10 Jahre zu spät kommt.
Das ist der Skandal und viel zu wenig Steuerzahler schreien auf. Und das ist auch wieder der Skandal hinter dem Skandal! Aber es ist eben hier zur Gewohnheit geworden, sich von einem weit in die Wolken ragenden Gipfel des Schuldenberges Berlins arrogant regieren zu lassen, während die Regierenden nicht mehr merken, was sich in den „niederen“ Ebenen tut.
Daher geht es beim BBI wie immer fleißig ums Weitermachen, der „vielleicht“ doch noch in die erste Liga des Flugverkehrs aufsteigt: wie gesagt mit der absurden Dominanz der Billigairlines in Berlin. Man muss nur fest daran glauben und ständig seine BBI-Mantren absolvieren!
Stellen Sie sich vor, Hertha BSC spielt mittelklassig in der 2. Bundesliga und der Senat von Berlin beschließt den Bau eines Stadions in der Größe des Olympiastadions für diese zweitklassige Mannschaft, weil sie vielleicht durch dieses tolle Stadion irgendwann in die Bundesliga „getragen“ werden würde. Das wäre doch auch ein Skandal, weil die dramatisch aufwachsenden Kosten den Haushalt noch tiefer in die roten Zahlen treiben würden. Dieses Beispiel wäre aber mit dem BBI-Skandal nicht annähernd vergleichbar, weil beim BBI das Geld schon seit Anfang der 90ziger Jahre vernichtet wird und nichts als rote Zahlen durch den für den Billigairlinesbetrieb viel zu großen BBI herauskommen werden. Dabei macht man sich den psychologischen Trick zu nutze: Je größer und länger der Skandal, desto weniger wird er wahrgenommen.
Deshalb ist man eben auch sauer auf Lufthansachef Mayrhuber, dem man keinen Maulkorb wie einem Berliner Politiker oder Beamten anlegen kann und der sich so etwas zu sagen wagt, was nichts weniger ist als die Wahrheit ist. Jeder weiß es: man muss nur genau hinschauen und das, was man sieht akzeptieren.
Natürlich freut sich die Lufthansa, wenn für Berlin nun ein gigantischer Großflughafen gebaut wird, der als Zubringer für München, Fraport und Düsseldorf fungiert und die Passagiere für die lukrativen Lufthansalangstreckenflüge speist. Die Gewinner sitzen dann in Analogie von easyJet und Air Berlin wieder einmal nicht in Berlin.
Auch wird sich der Lufthansachef bei seinem Vortrag vor der IHK sehr gut daran erinnert haben, wie die Lufthansa damals auch von der Berliner Politikelite kalt abserviert wurde, als sie das sehr große Interesse bekundete, ihr 2. Drehkreuz in dieser Region aufzubauen: Aber nicht in Berlin, sondern in Sperenberg, was ja die hiesige Politikelite mit ihrer provinziellen „Kompetenz“ vehement abschmetterte.
Nun sprach der Chef der Lufthansa wahrscheinlich vor einem großen Teil der IHK-Akteure von damals und wer genau hinhört, spürt die unterschwelligen, aber sehr gezielten Anspielungen, als er sich mit den Worten z.B. „Berlin lebt doch nachts“ gegen das Nachtflugverbot aussprach: Übersetzt heißt das doch nichts anderes als „ihr kriegt zwar eure Wirtschaft nicht auf die Reihe und seid die Armuts- und Schuldenmetropole Deutschlands, aber dafür könnt ihr gemäß eures Slogans „Berlin ist arm aber sexy“ die Nacht durchfeiern.“
Ein anderes Beispiel: Man könne auch nachts fliegen, da der lärmarme A 380 so leise fliege, dass es „so was von beruhigend sei“, so Mayrhuber.
Darüber können sich vielleicht viele freuen, aber das Dumme ist nur, und das sagt er allerdings nur indirekt, dass der A 380 nicht vom BBI fliegen wird, weil ja Berlin so einen Flieger gar nicht füllen könnte. Letzteres hat er aber bezogen auf die Langstreckenflüge dann wieder direkt geäußert.
In Anlehnung an Max Ottes Buchtitel „Der Crash kommt“, kommt der BBI auch. Leider! Und unbezahlbar! Berlin kann sich jedenfalls so ein Monstrum, wo „billig von teuer fliegt“ erst recht nicht leisten. Deshalb ist und wird der BBI entsprechend des Titels meines Buches auch ein „neuer Berliner Bankenskandal!“
